Recht

Wichtige Urteile zum Kündigen – nach Vertragsart geordnet

Diese Übersicht sammelt die Urteile, auf die sich unsere Seiten stützen: vom Kündigungsbutton (BGH, I ZR 161/24 und I ZR 200/25) über die Laufzeit von Telefonverträgen (III ZR 8/25) und unwirksame Preisklauseln (III ZR 205/25) bis zu Zahlungsverzug und Eigenbedarf im Mietrecht und zu Form und Zugang der Kündigung im Arbeitsrecht. Jede Zeile nennt Gericht, Aktenzeichen, Datum, die Kernaussage und die Seite, die den Fall erklärt.

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Ein leerer Flur in einem historischen Gerichtsgebäude mit hohen Bogenfenstern, Steinboden und dunklen Holzbänken
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Diese Seite ist für alle, die wissen wollen, welche Gerichtsentscheidungen hinter unseren Erklärungen stehen – oder die ein Urteil suchen, mit dem sie gegenüber einem Anbieter, Vermieter oder Arbeitgeber argumentieren können. Sie sammelt die wichtigsten Entscheidungen zu Kündigung und Vertragsende, geordnet nach Vertragsart, mit Gericht, Aktenzeichen, Datum, Kernaussage in eigenen Worten und der Seite, die den Fall ausführlich erklärt. Aufgenommen ist nur, was wir im Volltext, im Leitsatz oder in der amtlichen Pressemitteilung geprüft haben; die Fundstellen stehen unter Quellen.

Ein Urteil wirkt unmittelbar nur zwischen den Parteien des Verfahrens (§ 325 ZPO). Entscheidungen des Bundesgerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts sind aber Richtschnur für alle anderen Gerichte – wer sich auf sie beruft, sollte Aktenzeichen und Datum nennen.

Abos, Streaming, Fitness und Dienstleistungen

GerichtAktenzeichenDatumKernaussageUnsere Seiten
BGHI ZR 161/2422.05.2025Der Kündigungsbutton ist auch bei Laufzeitverträgen mit Einmalzahlung und automatischem Ende nötig, jedenfalls für die außerordentliche KündigungKündigungsbutton
BGHI ZR 200/2516.07.2026Die Bestätigungsseite ist abschließend geregelt; Zusatzangebote wie „Vertrag pausieren“ sind unzulässigKündigungsbutton
OLG Nürnberg3 U 2214/2330.07.2024Ein Login vor dem Kündigungsbutton ist grundsätzlich unzulässig; eine Ausnahme ist denkbar, wenn der Dienst ohnehin nur mit Login nutzbar istDeutschlandticket
BGHIII ZR 152/2516.04.2026Video-Streaming ist ein Dienstvertrag; eine Kündigung erst nach Verbrauch des Geschenkkarten-Guthabens ist unwirksamStreaming
BayObLG102 VKl 1/24 e17.07.2026Die Abhilfeklage wegen der Werbung bei Prime Video wird abgewiesenStreaming
BGHXII ZR 42/1008.02.2012Ein reiner Fitness-Nutzungsvertrag ist Gebrauchsüberlassung; 24 Monate Erstlaufzeit sind grundsätzlich wirksamFitnessstudio
BGHXII ZR 62/1504.05.2016Ein berufsbedingter Umzug allein ist kein wichtiger Grund für die fristlose KündigungFitnessstudio
BGHIII ZR 93/0908.10.2009Ein Partnerportal ist nach § 627 BGB jederzeit kündbar; die Klausel „Vergütung gilt als verdient“ ist unwirksamPartnervermittlung
BGHIII ZR 169/2006.05.2021Nach Widerruf ist Wertersatz zeitanteilig vom vereinbarten Gesamtpreis zu berechnenPartnervermittlung
BGHIII ZR 109/2412.06.2025Online-Coaching mit überwiegend zeitversetzten Inhalten ist Fernunterricht; das Gesetz schützt auch UnternehmerFernstudium und Coaching
BGHIII ZR 292/1704.10.2018Wer Leistungen der sozialen Pflegeversicherung bezieht, zahlt das Heimentgelt nur bis zum Auszug, auch vor FristendePflegeheim

Telefon, Internet, Fristen und Form

GerichtAktenzeichenDatumKernaussageUnsere Seiten
BGHIII ZR 61/2410.07.2025Die Höchstlaufzeit des § 56 TKG gilt auch für Verlängerungen und läuft ab VertragsschlussHandyvertrag · § 56 TKG
BGHIII ZR 8/2508.01.2026Auch beim Erstvertrag zählt die Laufzeit ab Vertragsschluss, nicht ab Schaltung; § 309 Nr. 9 a BGB bleibt daneben anwendbarGlasfaser · § 56 TKG
EuGHC-669/2410.09.2026Das Sonderkündigungsrecht bei Vertragsänderungen gibt dem Anbieter kein eigenes Recht, Preise zu ändernPreiserhöhung · § 57 TKG
BGHIII ZR 57/1011.11.2010Ein Umzug ist kein wichtiger Grund, einen DSL-Vertrag fristlos zu kündigenDSL und Internet · § 60 TKG
BGHIII ZR 172/0417.02.2005§ 193 BGB gilt nicht für Kündigungsfristen – ein Wochenende verlängert sie nichtFristen berechnen
BGHVII ZR 895/2106.10.2022Eine E-Mail im unternehmerischen Geschäftsverkehr geht zu, sobald sie während der üblichen Geschäftszeit abrufbar istKündigung per E-Mail
BGHIII ZR 387/1514.07.2016Eine Online-Partnervermittlung darf die Kündigung nicht an Unterschrift per Brief oder Fax bindenKündigung per E-Mail

Vertragsklauseln, Banken und Sparen

GerichtAktenzeichenDatumKernaussageUnsere Seiten
BGHIII ZR 205/2501.10.2026Die Preisanpassungsklausel eines Abos ist intransparent und unwirksam, weil offen bleibt, ob man nur kündigen oder auch widersprechen kannPreiserhöhung
BGHXI ZR 26/2027.04.2021Klauseln, nach denen Schweigen ohne inhaltliche Einschränkung als Zustimmung zu neuen Bank-AGB und Entgelten gilt, sind gegenüber Verbrauchern unwirksamGirokonto
BGHXI ZR 405/1213.05.2014Ein Bearbeitungsentgelt für Privatkredite ist unwirksamUnwirksame AGB-Klauseln
BGHIII ZR 199/0118.04.2002Eine Gebühr für das Stilllegen des Anschlusses nach der Kündigung ist unwirksamUnwirksame AGB-Klauseln
BGHXI ZR 200/0330.11.2004Die Bank darf für den Depotwechsel kein Entgelt in ihren Bedingungen vorsehenDepot
BGHXI ZR 345/1814.05.2019Ein Prämiensparvertrag mit steigender Prämie ist für die Sparkasse erst nach Erreichen der höchsten Prämienstufe kündbarSparvertrag
BGHXI ZR 185/1621.02.2017Die Bausparkasse darf in der Regel zehn Jahre nach der ersten Zuteilungsreife kündigenBausparvertrag

Wie man eine Klausel selbst prüft, erklärt Unwirksame AGB-Klauseln; die Verbote ohne Wertung stehen unter § 309 BGB.

Mietrecht

GerichtAktenzeichenDatumKernaussageUnsere Seiten
BGHVIII ZR 206/0427.04.2005Bei der Kündigung bis zum dritten Werktag zählt der Samstag mit, außer als letzter TagKündigungsfristen · § 573c BGB
BGHVIII ZR 129/0913.07.2010Für die Mietzahlung bis zum dritten Werktag zählt der Samstag nicht mitZahlungsverzug
BGHVIII ZR 222/1505.10.2016Pünktlich zahlt, wer den Überweisungsauftrag bei gedecktem Konto bis zum dritten Werktag erteiltZahlungsverzug
BGHVIII ZR 193/1627.09.2017Maßstab für den Rückstand ist die vereinbarte Miete; eine Teilzahlung verhindert die fristlose Kündigung nichtZahlungsverzug
BGHVIII ZR 106/2323.10.2024Die Schonfristzahlung heilt nur die fristlose, nicht die hilfsweise ordentliche Kündigung§ 573 BGB
BGHVIII ZR 296/1513.07.2016Für die fristlose Kündigung des Mietvertrags gibt es keine feste Erklärungsfrist; § 314 Abs. 3 BGB gilt nichtFristlos als Vermieter
BGHVIII ZR 276/2310.07.2024Cousins und Cousinen sind beim Eigenbedarf keine FamilienangehörigenEigenbedarf
BGHVIII ZR 180/1822.05.2019Hohes Alter oder lange Mietdauer allein begründen keine Härte; eine schwere Erkrankung kann genügenWiderspruch wegen Härte · § 574 BGB
BGHVIII ZR 86/1008.12.2010Ein formularmäßiger Kündigungsverzicht über mehr als vier Jahre ab Vertragsschluss ist insgesamt unwirksamKündigungsverzicht
BGHVIII ZR 185/1418.03.2015Laufende Schönheitsreparaturen sind bei unrenoviert übergebener Wohnung ohne Ausgleich nicht abwälzbarSchönheitsreparaturen
BGHVIII ZR 141/1724.07.2019Für die Abrechnung der Kaution gibt es keine feste FristMietkaution
BGHVIII ZR 161/2406.08.2025Die Kündigungssperrfrist nach Umwandlung beginnt mit der Eintragung des Erwerbers im GrundbuchKündigungssperrfrist

Arbeitsrecht

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BAG9 AZR 145/1510.05.2016Ein Telefax wahrt die gesetzliche Schriftform nichtForm der Kündigung im Job · § 623 BGB
BAG2 AZR 213/2320.06.2024Ein Brief, den die Post zu üblichen Zeiten einwirft, geht am selben Tag zu – auch während des UrlaubsZugang im Arbeitsrecht · § 4 KSchG
BAG2 AZR 68/2430.01.2025Einlieferungsbeleg und Sendungsstatus eines Einwurf-Einschreibens beweisen den Zugang nichtZugang beweisen · § 4 KSchG
BAG2 AZR 55/2504.12.2025Für die fristlose Kündigung muss die Anhörung in der Regel binnen einer Woche erfolgen; der Urlaub des Arbeitnehmers rechtfertigt kein WartenFristlos durch den Arbeitgeber · § 626 BGB
BAG2 AZR 160/2430.10.2025Die Probezeit im befristeten Vertrag verlangt eine Einzelfallabwägung, keinen festen ProzentwertProbezeit · § 622 BGB
BAG6 AZR 157/2201.04.2026Kündigungen ohne erforderliche Massenentlassungsanzeige sind unwirksamMassenentlassung
BAG2 AZR 213/2518.06.2026Der Kündigungsschutz wirkt vor jedem Abschnitt der Elternzeit, auch in der WartezeitElternzeit
BAG5 AZR 108/2525.03.2026Eine Formularklausel, nach der der Arbeitgeber nach der Kündigung jederzeit freistellen darf, ist unwirksamFreistellung
BAG9 AZR 104/2403.06.2025Ein Verzicht auf den gesetzlichen Mindesturlaub ist im bestehenden Arbeitsverhältnis nichtig, selbst in einem gerichtlichen VergleichResturlaub

Weitere Entscheidungen zum Kündigungsschutz – zur Wartezeit, zur Sozialauswahl, zur Klagefrist und zur Anhörung des Betriebsrats – ordnen die Normseiten § 1 KSchG, § 4 KSchG und § 102 BetrVG den einzelnen Absätzen zu; für Versicherungen gilt das Gleiche bei § 11 VVG.

So nutzt du ein Urteil im Streit

  1. Passt der Fall?Vergleiche Vertragsart und Vertragsdatum: Manche Regeln gelten nur für Verträge ab einem Stichtag, etwa die Laufzeitregeln für Verträge ab dem 1. März 2022 (Gesetz für faire Verbraucherverträge).
  2. Genau zitierenNenne Gericht, Datum und Aktenzeichen, bei längeren Urteilen auch die Randnummer – so kann der Anbieter die Stelle prüfen.
  3. Fristen nicht versäumenEin Urteil verlängert keine Kündigungsfrist. Kündige rechtzeitig und streite parallel über die Klausel.
  4. Hilfe holenLenkt der Anbieter nicht ein, helfen Verbraucherzentralen oder eine Schlichtungsstelle.

Noch offen

Ob Anbieter verlangen dürfen, dass man sich vor dem Kündigungsbutton einloggt, verhandelt der Bundesgerichtshof am 5. November 2026 (I ZR 272/25 und I ZR 275/25). Bis dahin gilt die Linie des OLG Nürnberg aus der Tabelle oben. Neue Entscheidungen tragen wir hier nach, sobald sie im Volltext oder als amtliche Pressemitteilung vorliegen; welche Gesetze sich 2026 geändert haben, steht unter Gesetzesänderungen 2026.

Quellen

Häufige Fragen

Gilt ein BGH-Urteil automatisch auch für meinen Vertrag?

Rechtlich bindet ein Urteil nur die Parteien des Verfahrens. Andere Gerichte orientieren sich aber an der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs; passt dein Fall, lohnt es sich, Aktenzeichen und Datum im Schreiben an den Anbieter zu nennen. Bei unwirksamen Klauseln aus einer Verbandsklage kannst du dich unter Umständen direkt auf das Urteil berufen (§ 11 UKlaG).

Wo finde ich den Volltext eines Urteils?

Der Bundesgerichtshof und das Bundesarbeitsgericht veröffentlichen Entscheidungen und Pressemitteilungen auf ihren Websites; die Links zu allen Entscheidungen dieser Seite stehen unter Quellen. Manche Volltexte erscheinen erst Wochen nach der Pressemitteilung.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.

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