Recht

Gesetz für faire Verbraucherverträge – was es geändert hat

Der Bundestag hat das Gesetz für faire Verbraucherverträge am 24. Juni 2021 beschlossen. Es trat in drei Stufen in Kraft: am 1. Oktober 2021 das Verbot von Abtretungsausschlüssen in AGB und die Pflicht, Einwilligungen in Telefonwerbung zu dokumentieren, am 1. März 2022 die Grenzen für Laufzeit, Verlängerung und Kündigungsfrist, am 1. Juli 2022 der Kündigungsbutton. Die Laufzeitregeln gelten nur für Verträge ab dem 1. März 2022, der Button auch für ältere.

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Drei unterschiedlich hohe Gläser mit Bohnen, Linsen und Reis in einer Reihe auf einer sonnigen Küchenfensterbank
Bild: KI-generiert

Diese Seite ist für alle, die wissen wollen, was das Gesetz für faire Verbraucherverträge geändert hat – und vor allem, ob ihr eigener Vertrag schon unter die neuen Regeln fällt. Sie ordnet den Inhalt nach den drei Stichtagen, zeigt, was der Bundestag gegenüber dem Regierungsentwurf geändert hat, und belegt jede Angabe mit Gesetzestext oder Drucksache. Wie die Laufzeitregeln heute im Einzelnen wirken, steht unter § 309 BGB und Automatische Vertragsverlängerung, den Button erklärt Kündigungsbutton.

Vom Entwurf zum Gesetz

DatumSchrittFundstelle
24.02.2021Regierungsentwurf im BundestagDrucksache 19/26915
18.06.2021Beschlussempfehlung des Rechtsausschusses mit ÄnderungenDrucksache 19/30840
24.06.2021Bundestag beschließt das Gesetz „mit beigefügten Maßgaben“Bundesrats-Drucksache 565/21
01.10.2021erste Stufe in KraftArt. 229 § 60 EGBGB Satz 1
01.03.2022zweite Stufe: LaufzeitregelnArt. 229 § 60 Satz 2
01.07.2022dritte Stufe: KündigungsbuttonArt. 229 § 60 Satz 3

Die drei Termine folgen aus der Inkrafttretensregel des Gesetzes: Die Laufzeitregeln galten ab dem ersten Tag des siebten Monats nach der Verkündung, der Button ab dem 1. Juli 2022, alles Übrige ab dem ersten Tag des Quartals nach der Verkündung (Art. 4 in der beschlossenen Fassung). Die Fundstelle im Bundesgesetzblatt ließ sich für diese Seite nicht öffnen; die Daten selbst stehen in der Übergangsvorschrift, und das Bundesjustizministerium hat sie bestätigt.

Drei Stufen: was wann gilt

StichtagÄnderungVorschriftFür welche Verträge
01.10.2021AGB dürfen die Abtretung von Geldforderungen gegen das Unternehmen nicht ausschließen, die anderer Rechte nur, wenn ein schützenswertes Interesse des Unternehmens überwiegt§ 308 BGB Nr. 9Verträge ab 01.10.2021
01.10.2021wer per Anruf wirbt, muss die vorherige ausdrückliche Einwilligung dokumentieren und fünf Jahre aufbewahren; Verstoß: Bußgeld bis 50.000 €§ 7a UWG, § 20 UWG Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2alle Werbeanrufe bei Verbrauchern
01.03.2022höchstens zwei Jahre Bindung; stillschweigende Verlängerung nur noch unbefristet, danach jederzeit mit höchstens einem Monat kündbar; zum Ende der ersten Laufzeit höchstens ein Monat Kündigungsfrist§ 309 BGB Nr. 9Verträge ab 01.03.2022
01.07.2022wer Dauerschuldverhältnisse auf seiner Website anbietet, muss dort eine Kündigungsschaltfläche bereitstellen§ 312k BGBauch Verträge, die vorher entstanden sind

Gilt das für meinen Vertrag?

Entscheidend ist, wann dein Vertrag entstanden ist – nicht, wann er sich verlängert. Das Bundesjustizministerium hat das ausdrücklich klargestellt: Für Altverträge bemisst sich die Wirksamkeit von Verlängerungs- und Fristklauseln „auch wenn die tatsächliche Verlängerung erst nach dem 1. März 2022 erfolgt“ nach der alten Fassung. Damals waren Verlängerungen um bis zu ein Jahr und Kündigungsfristen bis zu drei Monaten zulässig.

Vertrag entstandenAbtretungsklauseln (§ 308 Nr. 9)Laufzeit, Verlängerung, Frist (§ 309 Nr. 9)Kündigungsbutton (§ 312k)
vor dem 01.10.2021alte Rechtslagealte Fassungja, seit 01.07.2022
01.10.2021 bis 28.02.2022neue Regelalte Fassungja, seit 01.07.2022
ab 01.03.2022neue Regelneue Fassungja

Ein Beispiel: Ein Lieferabo für Tierfutter wird am 1. Februar 2022 geschlossen und beginnt am selben Tag, mit zwölf Monaten Laufzeit, Verlängerung um jeweils zwölf Monate und drei Monaten Kündigungsfrist. Es bleibt ein Altvertrag; die Klauseln sind nach der alten Fassung zulässig, auch bei jeder späteren Verlängerung. Dasselbe Abo, geschlossen am 1. April 2022, dürfte sich nach der ersten Laufzeit nur noch unbefristet verlängern und wäre dann jederzeit mit höchstens einem Monat kündbar. Über den Button kündigen lässt sich – wenn der Anbieter online abschließt – beides.

Was der Bundestag am Entwurf geändert hat

Der Regierungsentwurf sah ein deutlich komplizierteres Laufzeitmodell vor, keinen Kündigungsbutton und eine Textformregel für Stromverträge im Energiewirtschaftsgesetz. Der Rechtsausschuss hat das umgebaut:

ThemaRegierungsentwurf (Drucksache 19/26915)Beschlossenes Gesetz
Erste Laufzeitüber ein Jahr nur, wenn auch ein Einjahresvertrag angeboten wird, der im Monatsdurchschnitt höchstens 25 % teurer ist; höchstens zwei Jahrehöchstens zwei Jahre, ohne Pflichtangebot
Verlängerungum höchstens drei Monate – oder bis zu einem Jahr, wenn das Unternehmen zwei bis vier Monate vorher in Textform auf Laufzeitende, Verlängerung und letzten Kündigungstag hinweistnur auf unbestimmte Zeit, danach jederzeit mit höchstens einem Monat kündbar
Kündigungsfrist zum Ende der ersten Laufzeithöchstens ein Monathöchstens ein Monat
Kündigungsbuttonnicht vorgesehenneuer § 312k BGB, Pflicht ab 01.07.2022
Textform für Strom- und Gasverträgeim Energiewirtschaftsgesetz (Art. 4 des Entwurfs)gestrichen, weil die parallele Reform des Energiewirtschaftsrechts die Regel in § 41b übernahm und auf Kündigungen erweiterte (Drucksache 19/30840, S. 19 f.)
Gebrauchtwaren (§ 476 BGB)Klarstellung zur Gewährleistungsfristgestrichen: nach einem BGH-Urteil von 2020 und der anstehenden Umsetzung der Warenkaufrichtlinie nicht mehr nötig (Drucksache 19/30840, S. 14 f.)

Zum späten Starttermin des Buttons heißt es im Ausschussbericht, die Umsetzung bedeute für Unternehmen zum Teil einen erheblichen organisatorischen und zeitlichen Aufwand (Drucksache 19/30840, S. 20).

Telefonwerbung und Energieverträge heute

Hintergrund beider Regeln waren Beschwerden über am Telefon aufgedrängte oder untergeschobene Verträge, gerade beim Strom- und Gasanbieterwechsel (Drucksache 19/26915, S. 1 f.). Geblieben sind zwei getrennte Bausteine. Erstens die Dokumentationspflicht für Einwilligungen in Telefonwerbung (§ 7a UWG); sie regelt die Werbung, nicht die Wirksamkeit eines Vertrags. Zweitens die Textform für Energielieferverträge: Verträge mit Haushaltskunden außerhalb der Grundversorgung und deren Kündigung durch den Lieferanten bedürfen der Textform; kündigst du selbst, muss der Lieferant das binnen einer Woche in Textform mit dem Vertragsende bestätigen (§ 41b Abs. 1 EnWG). Ein bloßes Ja am Telefon erfüllt diese Form nicht. Mehr zu Strom und Gas unter Strom und Gas kündigen; was gegen unerwünschte Anrufe hilft, steht unter Anrufe nach der Kündigung.

Was das Gesetz nicht geändert hat

  • Zwei Jahre Erstlaufzeit bleiben erlaubt. Die Obergrenze galt schon vorher; das im Entwurf geplante Pflichtangebot eines Einjahresvertrags wurde nicht Gesetz.
  • Altverträge wechseln nicht von selbst ins neue Recht. Auch nach einer Verlängerung bleibt es bei der alten Fassung – außer bei Telefon und Internet.
  • Am Telefon geschlossene Energieverträge regelt nicht das Wettbewerbsrecht: § 7a UWG betrifft nur die Einwilligung in den Werbeanruf, die Textform für den Vertrag steht in § 41b EnWG.
  • Versicherungen sind von § 309 Nr. 9 ausgenommen; für sie gilt das Versicherungsvertragsgesetz (§ 11 VVG).
  • Fitnessstudios: Auf einen reinen Nutzungsvertrag hat der Bundesgerichtshof die Laufzeitregel nicht angewandt (BGH, 08.02.2012, XII ZR 42/10); ob die Regeln von 2022 für heutige Verträge mit Kursen und Betreuung gelten, ist offen (Fitnessstudio).
  • Der Button ersetzt keine anderen Wege. Eine Klausel, nach der nur über den Button gekündigt werden darf, wäre unwirksam (§ 309 Nr. 13 BGB Buchstabe c; Drucksache 19/30840, S. 16 f.); E-Mail und Brief bleiben möglich.

Der Kündigungsbutton in Kürze

Bietet ein Unternehmen auf seiner Website Verträge über entgeltliche Dauerschuldverhältnisse an, muss es dort eine Schaltfläche „Verträge hier kündigen“ bereitstellen, die direkt zu einer Bestätigungsseite mit der Schaltfläche „jetzt kündigen“ führt; die Kündigung ist sofort in Textform zu bestätigen. Stellt der Anbieter Button und Bestätigungsseite nicht ordnungsgemäß bereit, darfst du den Vertrag jederzeit fristlos beenden (§ 312k Abs. 6 BGB). Nicht erfasst sind Finanzdienstleistungen und Verträge, die sich nach dem Gesetz nur in einer strengeren Form als der Textform kündigen lassen. Der Bundesgerichtshof hat die Regel seither zweimal geschärft (BGH, 22.05.2025, I ZR 161/24; BGH, 16.07.2026, I ZR 200/25); ob Anbieter ein Login verlangen dürfen, verhandelt er am 5. November 2026.

Quellen

Häufige Fragen

Mein Vertrag von 2020 hat sich 2025 verlängert. Gilt jetzt die Monatsfrist?

Nach § 309 Nr. 9 BGB nicht: Für Verträge, die vor dem 1. März 2022 entstanden sind, gilt die alte Fassung weiter, auch bei späteren Verlängerungen (Art. 229 § 60 Satz 2 EGBGB). Anders bei Telefon und Internet: Dort lässt sich ein stillschweigend verlängerter Vertrag seit dem 1. Dezember 2021 nach Ablauf der ersten Laufzeit mit einem Monat Frist zu jedem Zeitpunkt kündigen (§ 56 Abs. 3 TKG).

Gelten die neuen Laufzeitregeln auch für Versicherungen?

Nein. § 309 Nr. 9 BGB nimmt Versicherungsverträge ausdrücklich aus; für sie gilt das Versicherungsvertragsgesetz, insbesondere § 11 VVG.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.

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