Ratgeber
Automatische Vertragsverlängerung: was vorher galt und was jetzt gilt
Verträge, die seit dem 1. März 2022 geschlossen wurden, dürfen sich nach der Mindestlaufzeit nur noch auf unbestimmte Zeit verlängern – danach kannst du jederzeit mit höchstens einem Monat Frist kündigen. Ältere Verträge dürfen sich weiter um bis zu ein Jahr verlängern. Für Handy und Internet gilt die Monatsfrist nach der ersten Laufzeit schon seit Dezember 2021, auch für alte Verträge.

Diese Seite ist für alle, deren Vertrag sich ohne Kündigung automatisch verlängert hat oder bald verlängert – Abo, Handy, Fitnessstudio, Versicherung, Zeitschrift. Sie stellt die Regeln vor und nach dem 1. März 2022 in einer Tabelle gegenüber, rechnet einen neuen und einen alten Vertrag mit demselben Kündigungstag durch und nennt die Sonderregeln für einzelne Vertragsarten.
Wie eine stillschweigende Verlängerung funktioniert
Viele Verträge enthalten eine Klausel wie: „Der Vertrag verlängert sich automatisch, wenn er nicht fristgerecht zum Ende der Mindestlaufzeit gekündigt wird.“ Juristen nennen das stillschweigende Verlängerung. Solche Klauseln stehen fast immer in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), also den vorformulierten Vertragsbedingungen. Für Verträge über regelmäßige Lieferungen von Waren oder regelmäßige Dienst- und Werkleistungen setzt das Gesetz ihnen Grenzen (§ 309 Nr. 9 BGB). Ausgenommen sind nach dem Wortlaut Versicherungsverträge und Verträge über zusammengehörig verkaufte Sachen; für Verträge zwischen Unternehmen gilt die Vorschrift nicht (§ 310 Abs. 1 BGB).
Mit dem Gesetz für faire Verbraucherverträge wurden diese Grenzen zum 1. März 2022 verschärft. Entscheidend ist, wann dein Vertrag entstanden ist: Für ältere Verträge gilt weiter die alte Fassung (Art. 229 § 60 EGBGB) – nach Auskunft des Bundesjustizministeriums auch dann, wenn sie sich erst später verlängern.
Vorher und nachher: die Regeln im Vergleich
| Verträge bis 28. Februar 2022 | Verträge seit 1. März 2022 | |
|---|---|---|
| Erste Laufzeit | höchstens 2 Jahre | höchstens 2 Jahre (unverändert) |
| Kündigungsfrist zum Ende der ersten Laufzeit | höchstens 3 Monate | höchstens 1 Monat |
| Stillschweigende Verlängerung | um jeweils höchstens 1 Jahr | nur auf unbestimmte Zeit |
| Kündigung nach der Verlängerung | zum Ende des Verlängerungszeitraums, Frist bis 3 Monate | jederzeit, Frist höchstens 1 Monat |
| Termin verpasst – Folge | bis zu ein weiteres Jahr gebunden | höchstens ein Monat länger gebunden |
| Rechtsgrundlage | § 309 Nr. 9 BGB in der alten Fassung | § 309 Nr. 9 BGB |
| Telefon und Internet | seit 1. Dezember 2021 für alle Verträge, auch ältere: nach der ersten Laufzeit jederzeit mit 1 Monat kündbar (§ 56 Abs. 3 TKG) | |
| Kündigungsbutton bei Online-Verträgen | seit 1. Juli 2022 Pflicht, auch für ältere Verträge (§ 312k BGB) | |
Die neue Regel klingt oft verkürzt nach „ein Monat zum Ende der Verlängerung“. Das ist missverständlich: Ein Ende der Verlängerung gibt es bei neuen Verträgen nicht mehr. Der verlängerte Vertrag läuft unbefristet und ist jederzeit mit höchstens einem Monat kündbar.
Rechenbeispiel: derselbe Kündigungstag, zwei Ergebnisse
Ein Zeitschriften-Abo beginnt am 1. November 2024, mit 24 Monaten Mindestlaufzeit und einem Monat Kündigungsfrist. Die Mindestlaufzeit endet am Vortag des gleichen Datums zwei Jahre später, mit Ablauf des 31. Oktober 2026. Für dieses Ende hätte die Kündigung bis Mittwoch, 30. September 2026, ankommen müssen.
- Vertragsbeginn
- Kündigung muss spätestens ankommen
- Ende der Mindestlaufzeit (24 Monate)
Der Termin ist verpasst – aber das kostet wenig. Der Vertrag verlängert sich auf unbestimmte Zeit; geht die Kündigung am Mittwoch, 7. Oktober 2026, zu, endet er am 7. November 2026. Zum Vergleich ein älteres Zeitschriften-Abo, das am 1. Februar 2022 begann, also vor dem Stichtag: Nach 24 Monaten verlängerte es sich laut AGB jeweils um zwölf Monate bei drei Monaten Frist. Das laufende Vertragsjahr endet am 31. Januar 2027; dafür muss die Kündigung bis Samstag, 31. Oktober 2026, ankommen.
| Kündigung geht zu am | Neuer Vertrag (Beginn 01.11.2024) | Alter Vertrag (Beginn 01.02.2022) |
|---|---|---|
| Mi 07.10.2026 | endet 07.11.2026 | endet 31.01.2027 |
| Mo 02.11.2026 | endet 02.12.2026 | endet 31.01.2028 |
Zwei Tage Unterschied beim Zugang bedeuten beim alten Vertrag ein ganzes zusätzliches Jahr. Rechne deinen eigenen Vertrag mit dem Rechner nach; bei alten Verträgen wählst du unter „Nach der Mindestlaufzeit“ die Verlängerung aus deinen AGB:
Rechner
Kündigungsfrist berechnen
Bis wann muss die Kündigung ankommen, und wann endet der Vertrag? Der Rechner fragt zuerst die Vertragsart – denn für Abos, Telefon, Versicherung und Strom gelten verschiedene Regeln.
Grundlage: § 187 und § 188 BGB, für Verträge ab 1. März 2022 § 309 Nr. 9 BGB, für Telefon und Internet § 56 TKG. Fällt der letzte Tag auf ein Wochenende oder einen Feiertag, verschiebt sich die Frist nicht (BGH, 17.02.2005, III ZR 172/04). Verbindlich ist dein Vertrag.
Sonderregeln für einzelne Verträge
| Vertrag | Verlängerung | Kündigung danach | Grundlage |
|---|---|---|---|
| Handy, Internet, Festnetz | nach der ersten Laufzeit von höchstens 24 Monaten ab Vertragsschluss | jederzeit mit 1 Monat, ohne Kosten | § 56 TKG |
| Versicherung | um jeweils höchstens 1 Jahr | zum Ende des Versicherungsjahres mit 1 bis 3 Monaten Frist; bei mehr als 3 Jahren Laufzeit auch zum Ende des dritten Jahres | § 11 VVG |
| Fitnessstudio | laut Vertrag | ob die Regeln von 2022 gelten, ist höchstrichterlich nicht geklärt; viele Studios arbeiten trotzdem mit Monatsfrist | BGH, 08.02.2012, XII ZR 42/10 |
| Strom und Gas außerhalb der Grundversorgung | laut Vertrag | § 309 BGB gilt nur eingeschränkt; bei Preisänderungen Sonderkündigung | § 310 Abs. 2 BGB, § 41 Abs. 5 EnWG |
| Fernwärme | höchstens 10 Jahre Laufzeit, dann jeweils um 5 Jahre | schriftlich mit 9 Monaten Frist vor Ablauf | § 32 AVBFernwärmeV |
| Mietvertrag nach Ablauf der Mietzeit | auf unbestimmte Zeit, wenn der Mieter nach Ablauf wohnen bleibt und keiner binnen 2 Wochen widerspricht | mit der gesetzlichen Frist | § 545 BGB |
| Befristeter Arbeitsvertrag | unbefristet, wenn mit Wissen des Arbeitgebers weitergearbeitet wird und er nicht unverzüglich widerspricht | nach den Arbeitsvertragsfristen | § 15 Abs. 6 TzBfG |
| Freier Dienstvertrag | auf unbestimmte Zeit bei Fortsetzung mit Wissen des anderen | nach § 621 BGB | § 625 BGB |
Bei Telefon- und Internetverträgen beginnt die Laufzeit mit dem Vertragsschluss, nicht mit der Freischaltung – auch beim Glasfaseranschluss (BGH, 08.01.2026, III ZR 8/25). Und eine vorzeitige Verlängerung „im Anschluss“ darf zusammen mit der Restlaufzeit nicht zu mehr als 24 Monaten Bindung ab der Vereinbarung führen (BGH, 10.07.2025, III ZR 61/24). Einzelheiten stehen unter Handyvertrag kündigen und Fitnessstudio kündigen.
Woran du die nächste Verlängerung erkennst
Bei Telefon- und Internetverträgen hilft das Gesetz: Der Anbieter muss dich rechtzeitig vor der Verlängerung auf einem dauerhaften Datenträger auf sie und auf dein Kündigungsrecht hinweisen (§ 56 Abs. 3 TKG). Außerdem muss jede Rechnung Vertragsbeginn, Ende der Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und den letzten Tag nennen, an dem die Kündigung eingehen muss (§ 4 TKTransparenzV). Bei anderen Verträgen findest du die Daten in der Auftragsbestätigung, den AGB oder im Kundenkonto; wie du sie notfalls beim Anbieter erfragst, zeigt der Ratgeber Vertragslaufzeit herausfinden.
In vier Schritten aus der Verlängerung
- Datum des Vertragsschlusses prüfenVor oder nach dem 1. März 2022? Davon hängt ab, welche Regel gilt. Maßgeblich ist der Tag, an dem der Vertrag zustande kam, nicht der Tag der ersten Lieferung.
- Laufzeit und Frist ermittelnAus Auftragsbestätigung, AGB, Rechnung oder Kundenkonto. Bei Telefonverträgen steht der letzte Kündigungstag auf der Rechnung.
- Kündigen, und zwar so früh wie möglichFormuliere „zum Ende der Mindestlaufzeit, hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt“. Dann endet der Vertrag in jedem Fall zum frühesten zulässigen Termin, wie der Ratgeber „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ erklärt.
- Vertragsende kontrollierenVergleiche das Datum in der Bestätigung mit deiner Rechnung. Rechnet der Anbieter mit einer Verlängerung um ein Jahr, obwohl dein Vertrag nach dem Stichtag geschlossen wurde, widersprich schriftlich und verweise auf § 309 Nr. 9 BGB.
Typische Irrtümer
- „Seit 2022 ist jeder Vertrag monatlich kündbar.“ Nein. Die Monatsfrist gilt erst nach der Mindestlaufzeit und nur für Verträge seit 1. März 2022 – bei Telefon und Internet für alle Verträge, bei Versicherungen gar nicht.
- „Wer die Frist verpasst, hängt ein Jahr fest.“ Nur bei alten Verträgen und bei Versicherungen. Bei neuen Verträgen kostet die Verspätung höchstens einen Monat.
- „Handyverträge haben drei Monate Frist.“ Überholt: Nach der ersten Laufzeit gilt für jeden Telefonvertrag ein Monat.
- „Mit dem Tarifwechsel beginnen neue 24 Monate.“ Nicht automatisch – bei Telefonverträgen zählt die Laufzeit ab der Vereinbarung, und mehr als 24 Monate Bindung sind unzulässig.
Ist die Frist schon verpasst, zeigt der Ratgeber Frist verpasst die nächsten Schritte. Den Hintergrund des Gesetzes von 2022 erklärt die Seite Gesetz für faire Verbraucherverträge.
Quellen
- § 309 BGB – Klauselverbote ohne Wertungsmöglichkeit (Nr. 9)
- § 310 BGB – Anwendungsbereich
- Art. 229 § 60 EGBGB – Übergangsvorschrift zum Gesetz für faire Verbraucherverträge
- § 312k BGB – Kündigungsbutton
- § 545 BGB und § 625 BGB – stillschweigende Verlängerung bei Miete und Dienstvertrag
- § 15 TzBfG – Ende des befristeten Arbeitsvertrags
- § 56 TKG – Vertragslaufzeit, Kündigung nach stillschweigender Vertragsverlängerung
- § 4 TK-Transparenzverordnung – Informationen zu Vertragslaufzeit und Kündigung
- § 11 VVG – Verlängerung, Kündigung
- § 41 EnWG – Energielieferverträge mit Letztverbrauchern
- § 32 AVBFernwärmeV – Laufzeit des Versorgungsvertrags, Kündigung
- Bundesministerium der Justiz: Faire Verbraucherverträge (28.02.2022) – abgerufen am 05.10.2026
- BGH, Versäumnisurteil vom 08.02.2012, XII ZR 42/10 (Fitnessstudiovertrag) – abgerufen am 05.10.2026
- BGH, Urteil vom 08.01.2026, III ZR 8/25 (Laufzeit ab Vertragsschluss) – abgerufen am 05.10.2026
- BGH, Urteil vom 10.07.2025, III ZR 61/24 (Vertragsverlängerung beim Telefonvertrag) – abgerufen am 05.10.2026
Häufige Fragen
Darf der Anbieter den Preis erhöhen, wenn sich der Vertrag verlängert?
Die Verlängerung allein ändert die Bedingungen nicht; der Vertrag läuft zu denselben Konditionen weiter. Eine Preiserhöhung braucht eine eigene Grundlage im Vertrag oder deine Zustimmung. Bei Telefon- und Internetverträgen löst eine einseitige Änderung außerdem ein Sonderkündigungsrecht aus (§ 57 TKG).
Muss mich jeder Anbieter vor der Verlängerung erinnern?
Nur bei Telefon- und Internetverträgen schreibt das Gesetz einen Hinweis vor (§ 56 Abs. 3 TKG). § 309 Nr. 9 BGB verlangt für andere Verträge keinen Hinweis; manche Anbieter erinnern freiwillig.
Kann ich einen Vertrag, der sich schon um ein Jahr verlängert hat, vorzeitig beenden?
Bei einem alten Vertrag nur, wenn ein Sonderkündigungsrecht oder ein wichtiger Grund besteht – Telefon- und Internetverträge ausgenommen, die nach der ersten Laufzeit ohnehin monatlich kündbar sind. Beispiele sind eine Preiserhöhung beim Strom oder ein fehlender Kündigungsbutton (§ 312k Abs. 6 BGB). Sonst endet er zum Ende des Verlängerungsjahres.
Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.
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