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Außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund

Außerordentlich kündigst du, wenn dir das Festhalten am Vertrag bis zum regulären Ende nicht zuzumuten ist – das ist ein wichtiger Grund. Liegt er in einer Pflichtverletzung des Vertragspartners, musst du ihm in der Regel erst eine Frist zur Abhilfe setzen oder ihn abmahnen. Danach kündigst du zügig, sonst kann das Recht verloren gehen.

Von Rechtsstand geprüft am 9 Min. Lesezeit

Sporttasche und Laufschuhe an der Wohnungstür im Morgenlicht, daneben ein gefaltetes leeres Blatt auf dem Schuhschrank
Bild: KI-generiert

Diese Seite ist für alle, die einen laufenden Vertrag sofort beenden wollen, weil das Festhalten bis zum regulären Ende nicht mehr zumutbar ist – beim Fitnessstudio, beim Internetanschluss, bei einem Abo. Für Miet- und Arbeitsverhältnisse nennt sie die Sonderregeln für beide Seiten. Sie liefert ein Prüfschema in vier Schritten, Fallgruppen mit Urteilen, die Regeln zur Abhilfefrist nach § 314 BGB und die Fristen, innerhalb derer du kündigen musst.

Was ein wichtiger Grund ist

Außerordentlich heißt: ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist und ohne Rücksicht auf die Mindestlaufzeit. Das Gesetz erlaubt das bei allen Dauerschuldverhältnissen, also Verträgen mit laufenden Leistungen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Was das ist, beschreibt § 314 Abs. 1 BGB:

„Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann.“

Feste Listen gibt es also nicht; entschieden wird im Einzelfall. Einen Maßstab hat der Bundesgerichtshof aber klar formuliert: Wer einen längerfristigen Vertrag schließt, trägt grundsätzlich selbst das Risiko, die Leistung wegen veränderter persönlicher Verhältnisse nicht mehr nutzen zu können. Anders ist es nur bei Umständen, die er nicht beeinflussen kann – etwa einer Erkrankung oder einer Schwangerschaft (BGH, 04.05.2016, XII ZR 62/15). Ein Umzug, ein neuer Job oder weniger Zeit reichen deshalb in der Regel nicht.

Für einige Verträge gibt es eigene Vorschriften, die § 314 BGB verdrängen oder ergänzen: § 543 BGB und § 569 BGB für die Miete, § 626 BGB für Arbeits- und Dienstverhältnisse, § 57 Abs. 4 TKG für zu langsames Internet. Wo das Gesetz an einen bestimmten Anlass wie eine Preiserhöhung ein eigenes Recht knüpft, spricht man vom Sonderkündigungsrecht.

In vier Schritten zur fristlosen Kündigung

  1. Grund prüfenLiegt ein Umstand vor, der dir das Weitermachen unzumutbar macht und nicht allein aus deiner eigenen Sphäre stammt? Prüf zuerst, ob für deinen Vertrag eine Sonderregel gilt (Tabelle unten).
  2. Abhilfe verlangenBesteht der Grund in einer Pflichtverletzung des Vertragspartners – die Leistung fehlt, ist mangelhaft oder er hält sich nicht an Absprachen –, ist die Kündigung erst nach erfolglosem Ablauf einer Frist zur Abhilfe oder nach einer erfolglosen Abmahnung zulässig (§ 314 Abs. 2 BGB). Bei Krankheit oder Schwangerschaft entfällt dieser Schritt, weil niemand etwas abstellen kann.
  3. Zügig kündigenKündigen kannst du nur innerhalb einer angemessenen Frist, nachdem du vom Grund erfahren hast (§ 314 Abs. 3 BGB); bei Arbeits- und Dienstverhältnissen sind es genau zwei Wochen.
  4. Grund nennen, hilfsweise ordentlich kündigenBeschreib den Grund im Schreiben und kündige hilfsweise ordentlich zum nächstmöglichen Zeitpunkt. So endet der Vertrag spätestens regulär, falls der Grund nicht trägt.

Fallgruppen mit Urteilen

SituationFristlos kündbar?Was giltBeleg
Fitnessstudio, dauerhafte Erkrankung, die Sport unmöglich machtin der Regel jaDas Studio darf einen Nachweis verlangen; AGB, die das Kündigungsrecht übermäßig einschränken, sind unwirksamBGH, 08.02.2012, XII ZR 42/10
Fitnessstudio, Schwangerschaftkann ein wichtiger Grund seinUmstand außerhalb der Sphäre der KundinBGH, 04.05.2016, XII ZR 62/15
Fitnessstudio, Umzug, auch aus beruflichen GründenneinWohnortwechsel liegt in der Sphäre des Kunden; ein Recht besteht nur, wenn der Vertrag es vorsiehtBGH, 04.05.2016, XII ZR 62/15
Internet erheblich und dauerhaft langsamer als vereinbart, mit Messung nachgewiesenjaMinderung oder Kündigung ohne Frist; vorher Frist zur Abhilfe§ 57 Abs. 4 TKG
Online geschlossenes Abo ohne funktionierenden Kündigungsbuttonjajederzeit ohne Kündigungsfrist§ 312k Abs. 6 BGB
Vorteilsprogramm mit Einmalzahlung und festem Endebei wichtigem Grund jaAuch dafür muss der Anbieter den Kündigungsbutton bereitstellenBGH, 22.05.2025, I ZR 161/24
Partnervermittlung und andere Dienste höherer Artja, ohne wichtigen Grundjederzeit kündbar; AGB, nach denen das Entgelt trotzdem als verdient gilt, sind unwirksam§ 627 BGB, BGH, 08.10.2009, III ZR 93/09
Ambulanter Pflegedienstja, ohne Grundjederzeit ohne Frist§ 120 SGB XI
Mieter: Wohnung erheblich gesundheitsgefährdendjaauch wenn der Mieter den Zustand bei Vertragsschluss kannte; Grund im Schreiben nennen§ 569 Abs. 1 BGB
Vermieter: Mietrückstand von mehr als einer Monatsmiete aus zwei aufeinanderfolgenden Terminen oder von zwei Monatsmieten über einen längeren Zeitraumja, ohne AbmahnungMaßstab ist die vereinbarte, nicht die geminderte Miete; Teilzahlungen heilen nicht§ 543 Abs. 2 BGB, BGH, 27.09.2017, VIII ZR 193/16
Arbeitsverhältnis, schwere Pflichtverletzungim Einzelfallkeine absoluten Kündigungsgründe; eine Abmahnung geht vor, wenn eine Besserung zu erwarten ist§ 626 BGB, BAG, 10.06.2010, 2 AZR 541/09

Wie du bei Wohnung und Arbeitsplatz vorgehst, steht unter fristlose Kündigung durch den Mieter und fristlose Kündigung im Arbeitsverhältnis.

Abhilfefrist und Abmahnung richtig setzen

Liegt der Grund in einer Pflichtverletzung, verlangt das Gesetz einen Zwischenschritt: Du gibst dem Vertragspartner Gelegenheit, den Fehler abzustellen. Eine Frist zur Abhilfe passt, wenn er etwas nachholen oder reparieren kann; eine Abmahnung, wenn er ein Verhalten unterlassen soll. Beides ist kein Selbstzweck – kommt die Abhilfe, ist der Grund für die fristlose Kündigung entfallen.

  • Inhalt: Beschreib das Problem konkret mit Datum, verlange die Abhilfe bis zu einem bestimmten Tag und kündige an, dass du sonst fristlos kündigst.
  • Länge: Das Gesetz nennt keine Zahl. Die Frist muss so bemessen sein, dass der Vertragspartner den Fehler realistisch beheben kann. Setz ein konkretes Datum, das auf einen Werktag fällt: Endet eine Frist, innerhalb der eine Leistung zu erbringen ist, an einem Samstag, Sonntag oder Feiertag, tritt der nächste Werktag an seine Stelle (§ 193 BGB).
  • Nachweis: Schick die Fristsetzung in Textform und heb den Sendenachweis auf. Eine Vorlage gibt es unter Fristsetzung vor fristloser Kündigung.

Entbehrlich sind Frist und Abmahnung in drei Fällen: wenn der Vertragspartner die Leistung ernsthaft und endgültig verweigert, wenn ein fest vereinbarter Termin für dich erkennbar wesentlich war und verstrichen ist (§ 323 Abs. 2 BGB), und wenn besondere Umstände die sofortige Kündigung rechtfertigen (§ 314 Abs. 2 BGB, Satz 3). Bei der Wohnungsmiete entfällt der Schritt außerdem beim Zahlungsverzug (§ 543 Abs. 3 BGB).

Ein Beispiel: Ein Lieferdienst-Abo liefert seit drei Wochen nicht. Du forderst am Montag, 5. Oktober 2026, schriftlich, die Lieferungen bis Montag, 19. Oktober 2026, wieder aufzunehmen, und kündigst für den Fall des Ausbleibens die fristlose Kündigung an. Passiert nichts, kündigst du gleich danach; geht die Kündigung am Mittwoch, 21. Oktober 2026, zu, endet der Vertrag mit ihrem Zugang. Den Endtermin einer Frist in Tagen oder Wochen rechnet der Fristenrechner:

Rechner

Frist berechnen nach BGB

Wann endet eine Frist von Tagen, Wochen oder Monaten? Mit Wochenenden und Feiertagen deines Bundeslandes.

Dieser Tag zählt nicht mit (§ 187 Abs. 1 BGB).
Bei Erklärungs- und Zahlungsfristen rückt ein Wochenende oder Feiertag das Ende auf den nächsten Werktag (§ 193 BGB); ob das auch für Sonderkündigungen gilt, ist nicht geklärt.
Für gesetzliche Feiertage. Ohne Auswahl zählen nur die bundesweiten.

Grundlage: § 187 BGB, § 188 BGB und § 193 BGB. Für Kündigungsfristen gilt § 193 BGB nicht (BGH, 17.02.2005, III ZR 172/04). Verbindlich ist, was Gesetz oder Vertrag für deinen Fall bestimmen.

Wie schnell du nach dem Grund kündigen musst

Wer lange abwartet, muss sich entgegenhalten lassen, dass ihm das Weitermachen offenbar doch zuzumuten war. Deshalb begrenzt das Gesetz die Zeit für die Kündigung:

VertragKündigen innerhalb vonAb wannGrundlage
Allgemein: Abo, Fitnessstudio, Internet, Versicherungangemessener FristKenntnis vom Kündigungsgrund§ 314 Abs. 3 BGB
Arbeitsverhältnis, freier Dienstvertrag2 Wochen (Zugang)Kenntnis der maßgebenden Tatsachen§ 626 Abs. 2 BGB
Ausbildungsverhältnis2 WochenKenntnis der Tatsachen§ 22 Abs. 4 BBiG

Die „angemessene Frist“ des § 314 BGB ist bewusst offen und nicht starr auf zwei Wochen festgelegt. Der Bundesgerichtshof hat eine Klausel eines Fitnessstudios, die die Kündigung wegen Krankheit nur binnen zwei Wochen nach Kenntnis zuließ, als unangemessene Einschränkung beanstandet: Wer erkrankt, muss zunächst den Verlauf abwarten dürfen (BGH, 08.02.2012, XII ZR 42/10). Im Arbeitsrecht ist die Frist dagegen streng. Das Bundesarbeitsgericht hielt eine Kündigung für verspätet, weil der Arbeitgeber mit der Anhörung des Arbeitnehmers bis nach dessen Urlaub gewartet hatte (BAG, 04.12.2025, 2 AZR 55/25).

Das Kündigungsschreiben

Eine fristlose Kündigung braucht vier Bausteine: die Erklärung „außerordentlich und fristlos“, den Grund in zwei, drei Sätzen mit Daten, den Hinweis auf die erfolglose Abhilfefrist und den Satz „Hilfsweise kündige ich ordentlich zum nächstmöglichen Zeitpunkt.“ Bei der Wohnungsmiete muss der Grund im Schreiben stehen (§ 569 Abs. 4 BGB); im Arbeitsverhältnis musst du ihn auf Verlangen unverzüglich schriftlich mitteilen (§ 626 Abs. 2 BGB). Bei anderen Verträgen beugt die Begründung zumindest Streit vor.

Die hilfsweise ordentliche Kündigung ist kein Formalismus. Gerichte können eine unwirksame fristlose Kündigung zwar in eine ordentliche umdeuten (§ 140 BGB) – das Bundesarbeitsgericht hält das bei Arbeitsverhältnissen grundsätzlich für möglich –, verlassen solltest du dich darauf aber nicht. Im Mietrecht hat der Bundesgerichtshof bestätigt, dass eine hilfsweise erklärte ordentliche Kündigung wirksam bleibt, auch wenn die fristlose durch Nachzahlung der Miete entfällt (BGH, 23.10.2024, VIII ZR 106/23).

Die Form richtet sich nach dem Vertrag: Textform genügt bei den meisten Verbraucherverträgen, eine eigenhändige Unterschrift brauchen Miete und Arbeit. Online geschlossene Verträge kannst du auch außerordentlich über den Kündigungsbutton kündigen; die Bestätigungsseite muss dann ein Feld für den Grund enthalten (§ 312k BGB). Eine Vorlage mit allen Bausteinen bietet der Generator; ausführlicher ist die Vorlage außerordentliche Kündigung.

Werkzeug

Kündigungsschreiben erstellen

Felder ausfüllen, Brief prüfen, drucken oder als E-Mail senden. Alles bleibt in deinem Browser – nichts wird übertragen oder gespeichert.

1. Art der Kündigung
2. Empfänger
Die richtige Anschrift steht im Vertrag, auf der Rechnung oder im Impressum des Anbieters.
3. Vertragsdaten
4. Absender
5. Zusätze

[Vor- und Nachname] · [Straße und Hausnummer] · [PLZ Ort]

[Name des Anbieters]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]

[Ort], 22. Oktober 2026

Kündigung meines Vertrags – Kundennummer [Kundennummer]

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich meinen Vertrag mit der Kundennummer [Kundennummer] fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt.

Bitte bestätigen Sie mir den Eingang dieser Kündigung und das Datum, zu dem der Vertrag endet, schriftlich.

Das Ihnen erteilte SEPA-Lastschriftmandat widerrufe ich mit Wirkung zum Vertragsende.

Einer Kontaktaufnahme zu Werbe- oder Rückgewinnungszwecken widerspreche ich; eine etwa erteilte Einwilligung widerrufe ich.

Mit freundlichen Grüßen

[Vor- und Nachname]

Per Post: unterschreiben und mit Nachweis versenden, etwa als Einwurf-Einschreiben. Per E-Mail genügt Textform (§ 126b BGB), sofern der Vertrag nicht die Schriftform verlangt – Mietverträge und Arbeitsverträge brauchen eine Unterschrift auf Papier. Damit nichts mehr abgebucht wird, kannst du Lastschriften dieses Empfängers zusätzlich bei deiner Bank sperren lassen (Art. 5 Abs. 3 SEPA-Verordnung).

Wenn der Vertragspartner nicht akzeptiert

Bestreitet der Vertragspartner den wichtigen Grund, musst du ihn beweisen (BGH, 08.02.2012, XII ZR 42/10). Sammle deshalb von Anfang an Belege: Störungsmeldungen mit Datum, Messprotokolle, Fotos, Atteste, Schriftverkehr zur Abhilfefrist. Bezahlte Beiträge für die Zeit nach dem Vertragsende kannst du zurückfordern; einen Schaden, den dir die Vertragsverletzung verursacht hat, kannst du zusätzlich geltend machen (§ 314 Abs. 4 BGB).

Lehnt der Anbieter ab, hilft oft schon ein sachliches Schreiben mit den Belegen; Argumente und Antworten stehen im Ratgeber Anbieter lehnt Kündigung ab. Für Streit mit Unternehmen gibt es außerdem Schlichtungsstellen. Bei Miet- und Arbeitsverhältnissen geht es um mehr: Mieter wenden sich an den Mieterverein, Vermieter an Haus & Grund, Arbeitnehmer an die Gewerkschaft oder eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht. Gegen eine fristlose Kündigung des Arbeitgebers muss die Klage innerhalb von drei Wochen nach Zugang beim Arbeitsgericht eingehen (§ 4 KSchG).

Quellen

Häufige Fragen

Kann ich wegen einer Preiserhöhung fristlos kündigen?

Eine Preiserhöhung ist für sich genommen kein wichtiger Grund im Sinne von § 314 BGB. Für Telefon und Internet, Strom und Gas sowie Versicherungen gibt das Gesetz aber eigene Sonderkündigungsrechte mit festen Fristen; sie stehen im Ratgeber Sonderkündigungsrecht.

Muss ich bis zur fristlosen Kündigung weiter bezahlen?

Ja, bis der Vertrag endet, bleiben die Beiträge geschuldet. Bei Internet oder Telefon, die erheblich hinter der vereinbarten Leistung zurückbleiben, kannst du das Entgelt aber mindern, also anteilig weniger zahlen (§ 57 Abs. 4 TKG).

Kann auch der Anbieter mir fristlos kündigen?

Ja, § 314 BGB gilt für beide Seiten. Der häufigste Fall ist Zahlungsverzug. Auch der Anbieter muss bei einer Pflichtverletzung in der Regel vorher abmahnen oder eine Frist setzen, und er muss zügig kündigen.

Was ist, wenn sich der Grund später als nicht ausreichend herausstellt?

Dann ist die fristlose Kündigung unwirksam, und der Vertrag läuft weiter. Hast du hilfsweise ordentlich gekündigt, endet er wenigstens zum nächsten regulären Termin. Fehlt dieser Zusatz, musst du neu kündigen.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.

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