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Partnervermittlung kündigen
Einen Vertrag mit einer Partnervermittlung kannst du jederzeit kündigen, weil es um Dienste besonderen Vertrauens geht; die Agentur darf dann nur behalten, was sie schon verdient hat. Wurde der Vertrag bei dir zu Hause oder online geschlossen, kannst du ihn binnen 14 Tagen widerrufen. § 656 BGB macht das Honorar einer klassischen Vermittlung nicht einklagbar, gilt aber nicht für Online-Partnerbörsen mit automatischem Abgleich.

Diese Seite ist für alle, die einen Vertrag mit einer Partnervermittlung beenden wollen – einer Agentur mit Beratungsgespräch, Hausbesuch oder Vorschlägen, die ein Vermittler zusammenstellt. Sie erklärt, was die Sonderregel des § 656 BGB bedeutet und für wen sie nicht gilt, warum du jederzeit kündigen kannst und wie viel vom oft vierstelligen Honorar zurückkommt. Grundlage sind drei Urteile des Bundesgerichtshofs, deren Zahlen hier nachgerechnet sind. Für Abos bei Online-Partnerbörsen und Dating-Apps gilt die Seite Datingportal kündigen.
Was § 656 BGB regelt – und was nicht
„Durch das Versprechen eines Lohnes für den Nachweis der Gelegenheit zur Eingehung einer Ehe oder für die Vermittlung des Zustandekommens einer Ehe wird eine Verbindlichkeit nicht begründet.“ (§ 656 Abs. 1 BGB)
Die Vorschrift stammt aus der Zeit der Heiratsvermittler. Der Bundesgerichtshof wendet sie entsprechend auf Verträge an, mit denen eine Ehe oder Partnerschaft angebahnt werden soll: Ein Prozess um das Honorar würde die Privat- und Intimsphäre der Kunden berühren, etwa wenn darüber gestritten wird, ob der Vermittler geeignete Partner benannt hat (BGH, 17.06.2021, III ZR 125/19, Rn. 16–17 mit der früheren Rechtsprechung). Daraus folgen drei Regeln:
- Nicht einklagbar: Die Vermittlung kann ein vereinbartes Honorar nicht gerichtlich durchsetzen.
- Gezahlt ist gezahlt: Was du schon geleistet hast, kannst du nicht allein deshalb zurückverlangen, weil keine durchsetzbare Pflicht bestand (§ 656 Abs. 1 BGB, Satz 2).
- Auch keine Ersatzverpflichtung: Dasselbe gilt für eine Vereinbarung, mit der du dich gegenüber dem Vermittler zur Erfüllung neu verpflichtest, insbesondere ein Schuldanerkenntnis (§ 656 Abs. 2 BGB).
Der zweite Punkt ist kein Freibrief für den Vermittler. Geld zurück gibt es auf anderen Wegen: durch einen Widerruf oder durch die Kündigung nach § 627 BGB mit der Rückzahlung nicht verdienter Vorauszahlungen. Beide Wege haben Kunden vor dem Bundesgerichtshof erfolgreich beschritten – die Fälle stehen unten.
Klassische Vermittlung oder Online-Börse?
2021 hat der Bundesgerichtshof eine Grenze gezogen: Für eine Online-Partnervermittlung, deren Hauptleistung der unbeschränkte Zugang zu einer Plattform ist und deren Vorschläge allein auf einem elektronischen Abgleich ungeprüfter Kundenangaben beruhen, gilt § 656 BGB nicht (III ZR 125/19, Leitsatz). Eine individuelle Auswertung finde dort nicht statt, ein Rechtsstreit berühre die Intimsphäre nicht in vergleichbarer Weise (Rn. 18–20).
| Merkmal | Klassische Partnervermittlung | Online-Partnerbörse |
|---|---|---|
| Hauptleistung | Beratung und Vorschläge, die der Vermittler zusammenstellt | Zugang zur Plattform, Kontakt aus eigener Initiative |
| Vorschläge | individuell ausgewählt | elektronischer Abgleich ungeprüfter Angaben |
| § 656 BGB | entsprechend anwendbar | nicht anwendbar (III ZR 125/19) |
| Vorzeitige Kündigung | jederzeit nach § 627 BGB (III ZR 93/09) | zum Laufzeitende; ob § 627 gilt, ist offen |
| Wertersatz nach Widerruf | zeitanteilig vom Gesamtpreis (III ZR 169/20) | zeitanteilig vom Gesamtpreis (III ZR 125/19) |
| Typischer Abschluss | Hausbesuch, Büro der Agentur | Webseite oder App |
Mischformen sind häufig. Entscheidend ist, was der Vertrag als Leistung tatsächlich verspricht – nicht, wie er überschrieben ist.
Jederzeit kündigen: § 627 und § 628 BGB
Verträge über Partnerschaftsvermittlung und -anbahnung betreffen Dienste höherer Art, die auf besonderem Vertrauen beruhen: Du gibst einem Vermittler Auskünfte über dich und deine Wünsche, die deine Privatsphäre berühren. Deshalb kannst du jederzeit ohne wichtigen Grund kündigen (§ 627 Abs. 1 BGB). Allgemeine Geschäftsbedingungen dürfen das nicht ausschließen (BGH, 08.10.2009, III ZR 93/09, Rn. 19). Nur eine echte, ausgehandelte Einzelvereinbarung kann in Grenzen davon abweichen (Rn. 24).
Nach der Kündigung darf der Vermittler nur den Teil der Vergütung behalten, der seinen bisherigen Leistungen entspricht; im Voraus Gezahltes für die Zeit danach muss er zurückgeben (§ 628 Abs. 1 BGB). Gerechnet wird in der Regel nach der verstrichenen Zeit. Besondere Aufwendungen, die schon für deinen Vertrag angefallen sind und sich nicht anders verwenden lassen, darf er voll berechnen. Wie viel ihm zusteht, muss er darlegen und beweisen (Rn. 20, 25).
Der Fall mit dem Videoportal
Ein Mann suchte am 5. Februar 2007 eine Agentur auf, die Videointerviews in ein Partnerportal stellte. Nach einem Vorgespräch und der Aufnahme eines Videos unterschrieb er einen „Werkvertrag über Videoarbeiten“ über 4.750 Euro. Laut Formular sollten 25 Prozent auf das Vorgespräch, 50 Prozent auf das Video und 25 Prozent auf die „Filmeingliederung“ entfallen – alles verdient am Tag des Vertragsschlusses. Im August 2007 ließ er den Vertrag anfechten und hilfsweise fristlos kündigen. Die Aufteilung war unwirksam: Sie sollte das gesetzliche Kündigungsrecht entwerten (Rn. 21–23). Das Amtsgericht sprach ihm 4.412,50 Euro zu, der Bundesgerichtshof bestätigte das Ergebnis (Rn. 1–9).
Auch eine gesondert unterschriebene „Zusatzvereinbarung über den einvernehmlichen Ausschluss des Kündigungsrechtes“ half einer anderen Agentur nicht: Das Oberlandesgericht wertete sie als unwirksame Geschäftsbedingung, der Bundesgerichtshof beanstandete das nicht (BGH, 06.05.2021, III ZR 169/20, Rn. 4, 14–15).

Widerruf nach dem Hausbesuch: der Fall mit 8.330 Euro
Wurde der Vertrag bei dir zu Hause, auf der Straße oder online geschlossen, kannst du ihn binnen 14 Tagen widerrufen (§ 312g BGB); ohne ordnungsgemäße Belehrung verlängert sich die Frist auf bis zu zwölf Monate und 14 Tage. Wie das ausgehen kann, zeigt dieser Fall (III ZR 169/20, Rn. 2–7, 13, 29–32):
| Datum | Was geschah |
|---|---|
| 28.05.2018 | Vertrag beim Besuch eines Vertreters in der Wohnung der Kundin: 21 Partnervorschläge, Laufzeit 12 Monate. Sie unterschreibt, dass die Agentur sofort beginnen soll. |
| 29.05.2018 | Sie zahlt 8.330 Euro in bar und erhält drei Kontaktvorschläge. |
| 05.06.2018 | Sie „kündigt“ schriftlich; das Schreiben geht der Agentur zu, die Gerichte werten es als Widerruf. Danach schickt die Agentur noch 17 Vorschläge. |
| Oberlandesgericht | 7.139 Euro zurück; 1.191 Euro Wertersatz für drei von 21 Vorschlägen. |
| Bundesgerichtshof | Widerruf wirksam, Wertersatz jedenfalls nicht höher als 1.191 Euro; zeitanteilig gerechnet läge er darunter. |
Rechnerisch wären das für acht Tage bis zum Widerruf 8.330 € : 365 × 8 = rund 183 Euro; der Bundesgerichtshof musste die genaue Summe nicht festlegen, weil die Kundin den Abzug von 1.191 Euro hingenommen hatte. Zwei Klauseln halfen der Agentur nicht: dass die interne Erstellung eines „Partnerdepots“ die Hauptleistung sei, auf die 90 Prozent des Honorars entfielen, und dass sie die Provision ihres Vertreters von 1.999,20 Euro anrechnen dürfe (Rn. 23–25, 32). Den Mustertext liefert die Vorlage Widerruf; den Unterschied zur Kündigung erklärt Widerruf oder Kündigung.
So gehst du vor
- Vertrag prüfenWann und wo hast du unterschrieben, wurdest du über das Widerrufsrecht belehrt, welche Leistung ist versprochen? Bis wann ein Widerruf möglich ist, zeigt der Widerrufsrechner.
- Widerruf erklärenEindeutig formulieren, zum Beispiel „Hiermit widerrufe ich den am … geschlossenen Vertrag“, und hilfsweise nach § 627 BGB kündigen.
- Rückzahlung verlangenFordere das Honorar abzüglich höchstens des zeitanteiligen Werts zurück und setze eine Frist von zwei Wochen.
- Nichts nachunterschreibenRatenvereinbarungen, Schuldanerkenntnisse oder „Bestätigungen“ nach dem Widerruf brauchst du nicht; bei klassischer Vermittlung wären sie nach § 656 Abs. 2 BGB ohnehin nicht einklagbar.
- Zugang belegenPer Einwurf-Einschreiben oder E-Mail mit Lesebestätigung schicken, wie im Ratgeber Zugang beweisen beschrieben.
Wenn die Agentur nicht zahlt
Beruft sich die Agentur auf ihre Bedingungen, verweise auf die drei Urteile. Weigert sie sich weiter, helfen die Verbraucherzentralen mit einer Beratung; eine Übersicht steht unter Verbraucherzentralen. Geht es um größere Beträge, ist ein Anwalt oder eine Anwältin mit Schwerpunkt Verbraucherrecht der richtige Weg. Typische unzulässige Vertragsklauseln sammelt die Seite unwirksame AGB-Klauseln.
Werkzeug
Kündigungsschreiben erstellen
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[Ort], 22. Oktober 2026
Kündigung meines Vertrags – Kundennummer [Kundennummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündige ich meinen Vertrag mit der Kundennummer [Kundennummer] fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Bitte bestätigen Sie mir den Eingang dieser Kündigung und das Datum, zu dem der Vertrag endet, schriftlich.
Das Ihnen erteilte SEPA-Lastschriftmandat widerrufe ich mit Wirkung zum Vertragsende.
Einer Kontaktaufnahme zu Werbe- oder Rückgewinnungszwecken widerspreche ich; eine etwa erteilte Einwilligung widerrufe ich.
Mit freundlichen Grüßen
[Vor- und Nachname]
Per Post: unterschreiben und mit Nachweis versenden, etwa als Einwurf-Einschreiben. Per E-Mail genügt Textform (§ 126b BGB), sofern der Vertrag nicht die Schriftform verlangt – Mietverträge und Arbeitsverträge brauchen eine Unterschrift auf Papier. Damit nichts mehr abgebucht wird, kannst du Lastschriften dieses Empfängers zusätzlich bei deiner Bank sperren lassen (Art. 5 Abs. 3 SEPA-Verordnung).
Quellen
- § 656 BGB – Heiratsvermittlung
- § 627 BGB – Fristlose Kündigung bei Vertrauensstellung
- § 628 BGB – Teilvergütung und Schadensersatz bei fristloser Kündigung
- § 312g BGB – Widerrufsrecht
- § 356 BGB – Widerrufsfrist und Erlöschen
- § 357a BGB – Wertersatz nach dem Widerruf
- BGH, Urteil vom 17.06.2021, III ZR 125/19 (§ 656 BGB und Online-Partnervermittlung) – abgerufen am 05.10.2026
- BGH, Urteil vom 06.05.2021, III ZR 169/20 (Widerruf eines Partnervermittlungsvertrags) – abgerufen am 05.10.2026
- BGH, Urteil vom 08.10.2009, III ZR 93/09 (Video-Partnerportal, § 627 und § 628 BGB) – abgerufen am 05.10.2026
Häufige Fragen
Muss ich Raten weiterzahlen, die ich mit der Agentur vereinbart habe?
Hast du wirksam widerrufen oder nach § 627 BGB gekündigt, schuldest du nur den Teil, der den bis dahin erbrachten Leistungen entspricht. Bei einer klassischen Vermittlung kann die Agentur Raten ohnehin nicht einklagen. Stell die Zahlungen nicht stillschweigend ein, sondern erkläre Widerruf oder Kündigung schriftlich.
Gilt das auch, wenn die Agentur sich nicht Partnervermittlung nennt?
Ja, es kommt auf den Inhalt an. Im Videoportal-Fall nannte die Agentur ihren Vertrag einen „Werkvertrag über Videoarbeiten“ und schrieb ausdrücklich, Partnervermittlung sei nicht Gegenstand. Der Bundesgerichtshof sah darin trotzdem eine Partnerschaftsvermittlung.
Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.
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