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Die Telekom kündigt eine Preisanpassung an: so reagierst du richtig

Kündigt dir die Telekom eine Preiserhöhung oder eine nachteilige Vertragsänderung an, hast du ab Zugang der Mitteilung drei Monate Zeit für eine fristlose, kostenfreie Kündigung; der Vertrag endet frühestens mit dem Wirksamwerden der Änderung. Kein Sonderrecht gibt es, wenn nur eine höhere Umsatzsteuer weitergegeben wird. Ob die Erhöhung selbst wirksam ist, hängt nach dem EuGH-Urteil vom 10. September 2026 von der Klausel in deinem Vertrag ab.

Von Rechtsstand geprüft am 5 Min. Lesezeit

Ein weißer WLAN-Router auf einem Flurregal neben einer Zimmerpflanze und einem Schlüsselbund im Tageslicht
Bild: KI-generiert

Stand 5. Oktober 2026 gilt: Kündigt dir die Telekom eine Preis- oder Tarifanpassung an, räumt dir das Telekommunikationsgesetz ab Zugang der Mitteilung drei Monate ein, in denen du fristlos und kostenfrei kündigen kannst (§ 57 Abs. 1 TKG). Dieser Beitrag ist für Kundinnen und Kunden der Telekom mit Festnetz, Internet, Mobilfunk oder MagentaTV, die eine solche Mitteilung bekommen haben oder mit einer rechnen. Er ordnet ein, wann das Sonderrecht greift und wann nicht, rechnet ein Beispiel durch und erklärt, was der Europäische Gerichtshof am 10. September 2026 dazu entschieden hat. Kündigungswege, Fristen und Formulare der Telekom stehen im Steckbrief Telekom kündigen.

Was in der Mitteilung stehen muss

Ändert ein Telefon- oder Internetanbieter den Vertrag einseitig, muss er dich mindestens einen und höchstens zwei Monate vorher unterrichten – klar und verständlich, auf einem dauerhaften Datenträger wie Brief oder E-Mail, mit dem Inhalt und dem Zeitpunkt der Änderung und mit einem Hinweis auf dein Kündigungsrecht (§ 57 Abs. 2 TKG). Die Dreimonatsfrist beginnt erst, wenn eine Mitteilung bei dir eingeht, die diese Anforderungen erfüllt. Die Telekom regelt das Sonderrecht in ihren Bedingungen entsprechend: Nach einer Preiserhöhung darfst du binnen drei Monaten nach Zugang der Mitteilung fristlos und kostenfrei kündigen, mit Wirkung frühestens zum Erhöhungstag; dasselbe gilt für geänderte Bedingungen oder Leistungen (AGB Festnetz- und Mobilfunk-Anschlüsse, Stand 11.08.2026, Ziffer 9.2 und 8.3).

Prüfe deshalb drei Angaben: an welchem Tag die Mitteilung bei dir angekommen ist, ab wann der neue Preis gelten soll und ob ein Hinweis auf dein Kündigungsrecht dabei ist. Wörter wie „Tarifanpassung“ oder „Preisanpassung“ ändern nichts – entscheidend ist, ob sich deine Vertragsbedingungen zu deinem Nachteil ändern.

Wann du kündigen darfst – und wann nicht

Was sich ändertSonderkündigung?Grundlage
Monatspreis für Festnetz, Internet oder Mobilfunk steigtja; Frist drei Monate ab Zugang der Mitteilung, Vertragsende nicht vor dem Erhöhungstermin§ 57 Abs. 1 TKG, AGB Ziffer 9.2
Leistung wird schlechter, etwa eine enthaltene Leistung fällt wegja, wie oben§ 57 Abs. 1 TKG, AGB Ziffer 8.3
Nur eine höhere Umsatzsteuer wird weitergegebenneinAGB Ziffer 9.3; Änderung unmittelbar durch Gesetz vorgeschrieben
Änderung nur zu deinem Vorteil oder rein verwaltungstechnisch ohne Nachteilnein§ 57 Abs. 1 TKG
MagentaTV, gebucht zusammen mit Internet oder Telefonja, für alle Teile des Pakets§ 66 TKG
MagentaTV allein, ohne Telekom-Anschlussnicht geklärthängt davon ab, ob der Dienst vor allem Signale überträgt oder Inhalte anbietet

Die Ausnahme für gesetzlich vorgeschriebene Änderungen ist eng. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 12. März 2026 greift sie nur, wenn eine Rechts- oder Verwaltungsvorschrift selbst die Änderung unmittelbar und unbedingt anordnet; setzt ein Anbieter dagegen ein Urteil, Leitlinien der europäischen Regulierer oder eine Behördenentscheidung um, darfst du kündigen (EuGH, 12.03.2026, C-514/24). Ist deine Mindestlaufzeit schon vorbei, kommt es auf das Sonderrecht oft nicht an: Dann kannst du ohnehin jederzeit mit einem Monat Frist kündigen (§ 56 Abs. 3 TKG; Einzelheiten unter § 56 TKG). Wie es bei MagentaTV aussieht, erklärt MagentaTV kündigen.

Rechenbeispiel: Mitteilung im Dezember, Erhöhung im Februar

Angenommen, eine Mitteilung über einen höheren Monatspreis ab Montag, 1. Februar 2027, geht dir am Dienstag, 15. Dezember 2026, zu. Das liegt im erlaubten Zeitfenster, denn sie muss zwischen dem 1. Dezember 2026 und dem 1. Januar 2027 kommen. Deine Mindestlaufzeit läuft noch bis Ende August 2027.

Deine ReaktionFolge
Sonderkündigung geht bis zum 31. Januar 2027 zuDer Vertrag endet, wenn die Erhöhung wirksam wird; den höheren Preis zahlst du nicht.
Sonderkündigung geht am Montag, 15. Februar 2027, zuDer Vertrag endet mit dem Zugang; den höheren Preis zahlst du für die ersten Februartage.
Letzter Tag für die SonderkündigungMontag, 15. März 2027 – drei Monate nach Zugang der Mitteilung.
Nichts tunDer Vertrag läuft bis Ende August 2027 zum neuen Preis weiter, soweit die Erhöhung wirksam ist; danach ist er monatlich kündbar.

Ohne das Sonderrecht kämst du in diesem Beispiel erst zum Ende der Mindestlaufzeit heraus. Deinen regulären Termin rechnet der Rechner:

Rechner

Kündigungsfrist berechnen

Bis wann muss die Kündigung ankommen, und wann endet der Vertrag? Der Rechner fragt zuerst die Vertragsart – denn für Abos, Telefon, Versicherung und Strom gelten verschiedene Regeln.

Tag, an dem die Laufzeit beginnt (Auftragsbestätigung bzw. Versicherungsschein)
Verträge ab 1. März 2022 sind danach jederzeit mit höchstens einem Monat Frist kündbar.
Nur für Briefe: Feiertage deines Landes beim Absendetag.

Grundlage: § 187 und § 188 BGB, für Verträge ab 1. März 2022 § 309 Nr. 9 BGB, für Telefon und Internet § 56 TKG. Fällt der letzte Tag auf ein Wochenende oder einen Feiertag, verschiebt sich die Frist nicht (BGH, 17.02.2005, III ZR 172/04). Verbindlich ist dein Vertrag.

Was das EuGH-Urteil ändert

Im Verfahren des Verbraucherzentrale Bundesverbands gegen Vodafone urteilte der Europäische Gerichtshof am 10. September 2026, die EU-Regel, auf der § 57 TKG beruht, gebe Anbietern kein Recht zur einseitigen Vertragsänderung (EuGH, 10.09.2026, C-669/24). Sie setzt ein solches Recht voraus und bestimmt nur, wann du kündigen darfst. Wirksam ist eine Preiserhöhung deshalb nur mit einer Änderungsklausel im Vertrag, die Treu und Glauben, Ausgewogenheit und Transparenz genügt. Zu den Klauseln der Telekom liegt uns keine Entscheidung vor; eine Aussage über ihre Wirksamkeit treffen wir nicht. Hintergründe stehen unter EuGH zu Preiserhöhungen bei TK-Verträgen.

So gehst du vor

  1. Datum notierenHeb die Mitteilung auf und notiere, wann sie ankam. Daraus ergibt sich der letzte Tag für die Sonderkündigung.
  2. VergleichenDie Telekom muss dir mindestens einmal im Jahr mitteilen, welcher ihrer Tarife für dich der beste ist (§ 57 Abs. 3 TKG). Prüf diese Information und Angebote anderer Anbieter, bevor du entscheidest.
  3. KündigenOnline über den Link „Verträge hier kündigen“ ganz unten auf telekom.de; laut unserem Datensatz sind die Formulare ohne Login erreichbar. Wähle die außerordentliche Kündigung und gib als Grund die angekündigte Änderung an. Kündigst du im Festnetz-Formular nur den Anschluss, läuft eine Router-Miete weiter – Einzelheiten im Steckbrief.
  4. Oder widersprechenMöchtest du Kunde bleiben und hältst die Erhöhung für unwirksam, lege in Textform Widerspruch ein und zahle den höheren Betrag nur unter Vorbehalt (Vorlage Widerspruch).
  5. Nummer mitnehmenBeim Wechsel nimmst du deine Rufnummer kostenlos mit; der Dienst darf höchstens einen Arbeitstag unterbrochen sein (§ 59 TKG).

Ein Muster für die Kündigung steht unter Sonderkündigung nach Preiserhöhung; die Regeln für Anschluss und Handy erklären DSL und Internet kündigen und Handyvertrag kündigen. Den Gesetzestext mit Erläuterung findest du unter § 57 TKG.

Quellen

Häufige Fragen

Muss ich die Kündigung wegen der Preisanpassung begründen?

Einen ausführlichen Grund verlangt das Gesetz nicht. Schreib aber dazu, dass du wegen der angekündigten Änderung außerordentlich kündigst, und nenne das Datum der Mitteilung. Hilfsweise kündigst du zum nächstmöglichen Termin.

Gilt das auch für Prepaid-Tarife?

Prepaid-Tarife ohne Laufzeit kannst du laut Telekom ohnehin jederzeit kündigen. Bei einem Prepaid-Jahrestarif mit Mindestlaufzeit greift das gesetzliche Sonderrecht bei einer einseitigen Änderung wie bei anderen Verträgen.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.

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