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Sonderkündigung nach Preiserhöhung: Vorlage für jede Branche
Ob du nach einer Preiserhöhung vorzeitig kündigen kannst und bis wann, hängt von der Branche ab: Bei Telefon und Internet hast du drei Monate ab der Mitteilung, bei Versicherungen einen Monat, bei Strom und Gas kündigst du ohne Frist zum Tag der Erhöhung. Für Streaming und andere Abos gibt es kein gesetzliches Sonderrecht – dort entscheiden die Vertragsbedingungen.

Diese Seite ist für alle, die eine Preiserhöhung angekündigt bekommen haben und deshalb aus dem Vertrag wollen – bei Telefon, Internet, Kabel-TV, Strom, Gas, Versicherung oder einem Abo. Sie zeigt in einer Tabelle, welches Sonderkündigungsrecht in welcher Branche gilt, bis wann du kündigen musst und wann der Vertrag endet. Dazu kommen der Mustertext, Bausteine mit der passenden Vorschrift und zwei Fälle mit echten Daten.
Welches Recht für deinen Vertrag gilt
Ein allgemeines Recht, wegen einer Preiserhöhung zu kündigen, gibt es nicht. Das Gesetz kennt aber Sonderkündigungsrechte für einzelne Branchen, jedes mit eigener Frist und eigenem Vertragsende:
| Vertrag | Recht | Bis wann kündigen | Vertrag endet |
|---|---|---|---|
| Telefon, Handy, Internet – auch ein TV-Paket, das du mit Internet oder Telefon gebucht hast | § 57 Abs. 1 TKG, § 66 TKG | binnen drei Monaten ab Zugang der Mitteilung | ohne Frist und ohne Kosten, frühestens wenn die Änderung wirksam wird |
| Kabel-TV-Anschluss | § 57 Abs. 1 TKG | wie oben | wie oben |
| Strom und Gas mit Sondervertrag | § 41 Abs. 5 EnWG | keine eigene Erklärungsfrist; die Kündigung wirkt zum Tag der Änderung, schick sie also vorher | ohne Frist zum Wirksamwerden der Änderung, ohne Entgelt |
| Strom und Gas in der Grundversorgung | § 5 Abs. 3 StromGVV, § 5 Abs. 3 GasGVV | wie beim Sondervertrag; außerdem jederzeit mit zwei Wochen Frist | zum Wirksamwerden; weist du binnen eines Monats nach Zugang der Kündigung einen neuen Liefervertrag nach, gilt die Erhöhung für dich nicht |
| Versicherung mit Anpassungsklausel | § 40 VVG | binnen eines Monats ab Zugang der Mitteilung | sofort, frühestens zum Wirksamwerden der Erhöhung |
| Private Krankenversicherung | § 205 Abs. 4 VVG | binnen zwei Monaten ab Zugang der Mitteilung | zum Wirksamwerden der Erhöhung |
| Gesetzliche Krankenkasse, Zusatzbeitrag | § 175 Abs. 4 SGB V | bis zum Ende des Monats, für den der höhere Beitrag erstmals erhoben wird; ein Hinweisschreiben der Kasse gibt es seit dem 30. Juli 2026 nicht mehr | zum Ablauf des übernächsten Monats; bis dahin gilt der höhere Beitrag |
| Streaming, Software, Zeitschrift, Fitnessstudio | kein gesetzliches Sonderrecht | nur, wenn die Vertragsbedingungen eines einräumen | sonst zum nächsten ordentlichen Termin |
Fernsehen: Für ein TV-Paket, das du zusammen mit Internet oder Telefon gebucht hast, gelten die Regeln des § 57 TKG für das ganze Paket. Den Kabel-TV-Anschluss hat der Bundesgerichtshof – noch zum alten Telekommunikationsgesetz – als Telekommunikationsdienst eingeordnet (BGH, 18.11.2021, I ZR 106/20); das heutige Gesetz nennt Übertragungsdienste für den Rundfunk ausdrücklich (§ 3 TKG). Ob ein reines TV- oder IPTV-Abo ohne Internetanschluss desselben Anbieters darunter fällt, ist nicht geklärt; mehr unter Kabelanschluss kündigen.
Ob die Erhöhung wirksam ist, ist eine zweite Frage. Nach dem Europäischen Gerichtshof gibt die EU-Vorschrift hinter § 57 TKG Anbietern kein eigenes Recht, den Vertrag einseitig zu ändern (EuGH, 10.09.2026, C-669/24). Bei Abos entscheiden die Bedingungen: Der Bundesgerichtshof hat Klauseln zur Erhöhung der Mitgliedsgebühr eines Abos mit Versand und Streaming verworfen, weil offenblieb, ob Kunden nur kündigen oder der Erhöhung auch widersprechen können (BGH, 01.10.2026, III ZR 205/25). Was du außer der Kündigung tun kannst, erklärt der Ratgeber Preiserhöhung: was tun; alle übrigen Sonderrechte stehen im Ratgeber Sonderkündigungsrecht.
Werkzeug
Kündigungsschreiben erstellen
Felder ausfüllen, Brief prüfen, drucken oder als E-Mail senden. Alles bleibt in deinem Browser – nichts wird übertragen oder gespeichert.
[Vor- und Nachname] · [Straße und Hausnummer] · [PLZ Ort]
[Name des Anbieters]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ Ort]
[Ort], 22. Oktober 2026
Kündigung meines Vertrags – Kundennummer [Kundennummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündige ich meinen Vertrag mit der Kundennummer [Kundennummer] fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Bitte bestätigen Sie mir den Eingang dieser Kündigung und das Datum, zu dem der Vertrag endet, schriftlich.
Das Ihnen erteilte SEPA-Lastschriftmandat widerrufe ich mit Wirkung zum Vertragsende.
Einer Kontaktaufnahme zu Werbe- oder Rückgewinnungszwecken widerspreche ich; eine etwa erteilte Einwilligung widerrufe ich.
Mit freundlichen Grüßen
[Vor- und Nachname]
Per Post: unterschreiben und mit Nachweis versenden, etwa als Einwurf-Einschreiben. Per E-Mail genügt Textform (§ 126b BGB), sofern der Vertrag nicht die Schriftform verlangt – Mietverträge und Arbeitsverträge brauchen eine Unterschrift auf Papier. Damit nichts mehr abgebucht wird, kannst du Lastschriften dieses Empfängers zusätzlich bei deiner Bank sperren lassen (Art. 5 Abs. 3 SEPA-Verordnung).
Varianten: Bausteine je Branche
Der Generator schreibt: „mit Ihrem Schreiben vom … haben Sie mir eine Preiserhöhung angekündigt. Hiermit kündige ich den oben genannten Vertrag unter Berufung auf mein Sonderkündigungsrecht zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Preiserhöhung, hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt.“ Das passt in den meisten Fällen. Willst du die Vorschrift nennen oder ist die Erhöhung schon in Kraft, übernimm den Brief mit „Text kopieren“ und ersetze den zweiten Absatz durch einen dieser Bausteine.
Telefon und Internet, Erhöhung noch nicht in Kraft
Hiermit kündige ich den Vertrag nach § 57 Abs. 1 TKG ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zu dem Zeitpunkt, zu dem die Änderung wirksam werden soll, hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Telefon und Internet, Erhöhung schon in Kraft
Hiermit kündige ich den Vertrag nach § 57 Abs. 1 TKG ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist mit Zugang dieses Schreibens. Die Frist von drei Monaten ab Zugang Ihrer Mitteilung ist gewahrt.
Strom und Gas
Hiermit kündige ich den Liefervertrag für die Zählernummer [Zählernummer] nach § 41 Abs. 5 EnWG ohne Einhaltung einer Frist zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Preisänderung am [Datum].
In der Grundversorgung nennst du statt § 41 Abs. 5 EnWG den § 5 Abs. 3 der StromGVV oder GasGVV. Belegst du dem Grundversorger binnen eines Monats nach Zugang deiner Kündigung, dass du einen neuen Liefervertrag geschlossen hast, gilt die Erhöhung für dich nicht; Tarife und Fristen stehen unter Strom und Gas kündigen.
Versicherung
Hiermit kündige ich den Versicherungsvertrag Nr. [Versicherungsscheinnummer] nach § 40 VVG zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Beitragserhöhung.
Streaming und andere Abos
Der angekündigten Preiserhöhung stimme ich nicht zu. Soweit Ihre Bedingungen für diesen Fall ein Sonderkündigungsrecht vorsehen, mache ich davon Gebrauch; im Übrigen kündige ich den Vertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Willst du den Vertrag behalten und nur die Erhöhung abwehren, nimm die Vorlage Widerspruch gegen eine Preiserhöhung. Bei der gesetzlichen Krankenkasse brauchst du für einen Wechsel keinen Brief; wie er läuft, steht unter Krankenkasse wechseln.
Zwei Fälle mit Daten
Rechne bei jeder Sonderkündigung mit zwei Terminen – dem Stichtag für deine Erklärung und dem Ende des Vertrags. Sie können Wochen auseinanderliegen:
- Internet und TV im Paket: Die Mitteilung über eine Erhöhung zum 1. Januar 2027 geht dir am Dienstag, 10. November 2026, zu. Du kannst bis Mittwoch, 10. Februar 2027, kündigen. Der Vertrag endet frühestens zum 1. Januar 2027; geht deine Kündigung erst am Mittwoch, 20. Januar 2027, zu, endet er ohne Frist mit diesem Tag.
- Hausratversicherung: Die Erhöhung soll ab 1. Januar 2027 gelten. Die Mitteilung musste spätestens am 1. Dezember 2026 da sein und kommt am Montag, 23. November 2026. Deine Kündigung muss bis Mittwoch, 23. Dezember 2026, ankommen; dann endet der Vertrag zum 1. Januar 2027, und den höheren Beitrag zahlst du nicht.
Ob ein Wochenende am Ende einer solchen Erklärungsfrist die Frist verlängert, ist höchstrichterlich nicht geklärt – plane so, dass deine Kündigung vorher ankommt. Welches Recht in deinem Fall greift, ermittelt der Sonderkündigungs-Check:
Rechner
Sonderkündigungs-Check
Zwei Fragen – und du siehst, ob ein Sonderkündigungsrecht greift, welche Frist läuft und welche Vorlage passt.
Der Check nennt die gesetzlichen Sonderrechte. Viele Verträge enthalten zusätzliche Rechte – ein Blick in die Bedingungen lohnt sich.
Versand und Nachweis
Heb die Mitteilung samt Umschlag oder E-Mail auf; ihr Zugang setzt die Frist in Gang. Bei Telefonverträgen gilt das nur für eine Mitteilung, die den gesetzlichen Anforderungen entspricht: ein bis zwei Monate vor der Änderung, klar und verständlich, auf einem dauerhaften Datenträger und mit Hinweis auf das Kündigungsrecht (§ 57 Abs. 2 TKG). Für deine Kündigung genügt Textform; nur bei der privaten Krankenversicherung erlaubt das Gesetz, Schriftform zu vereinbaren, und ob eine solche Klausel in neuen Verträgen wirksam ist, ist offen (§ 208 VVG) – verlangen deine Bedingungen eine Unterschrift, schick einen unterschriebenen Brief. Bei Verträgen, die sich auf der Webseite des Anbieters abschließen lassen, wählst du im Kündigungsbutton die außerordentliche Kündigung und gibst die Preiserhöhung als Grund an (§ 312k BGB); Versicherer müssen keinen Button anbieten. Per Post ist das Einwurf-Einschreiben der sichere Weg; mehr unter Zugang der Kündigung beweisen.
Häufige Fehler
- Frist ab dem neuen Preis gerechnet: Bei Telefon und Versicherung zählt der Tag, an dem die Mitteilung ankommt. Wer bei der Versicherung bis zum Inkrafttreten wartet, ist meist schon zu spät.
- Nur widersprochen: Ein Widerspruch beendet den Vertrag nicht. Wer raus will, muss ausdrücklich kündigen.
- Steueränderung für eine Preiserhöhung gehalten: Gibt ein Energielieferant nur eine geänderte Umsatzsteuer unverändert weiter, entsteht kein Sonderkündigungsrecht (§ 41 Abs. 6 EnWG).
- Eigene Umstände übersehen: Steigt der Kfz-Beitrag, weil du nach einem Schaden zurückgestuft wurdest, löst das nach den unverbindlichen Musterbedingungen des Versichererverbands GDV kein Sonderkündigungsrecht aus; Einzelheiten unter Kfz-Versicherung kündigen.
- Mieterhöhung mit diesem Brief gekündigt: Für die Wohnung gelten eigene Fristen und die Schriftform; dafür gibt es die Vorlage Sonderkündigung nach Mieterhöhung.
Quellen
- § 57 TKG – Vertragsänderung, Minderung und außerordentliche Kündigung
- § 66 TKG – Angebotspakete
- § 3 TKG – Begriffsbestimmungen (Nr. 61: Telekommunikationsdienste)
- § 41 EnWG – Energielieferverträge mit Letztverbrauchern
- § 5 StromGVV – Änderungen der Allgemeinen Preise
- § 5 GasGVV – Änderungen der Allgemeinen Preise
- § 20 StromGVV – Kündigung
- § 40 VVG – Kündigung bei Prämienerhöhung
- § 205 VVG – Kündigung des Versicherungsnehmers (Krankenversicherung)
- § 175 SGB V – Ausübung des Wahlrechts
- BGBl. 2026 I Nr. 228: GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (Art. 1 Nr. 58: Hinweispflicht der Kasse gestrichen) – abgerufen am 05.10.2026
- § 208 VVG – Abweichende Vereinbarungen
- § 312k BGB – Kündigung von Verbraucherverträgen im elektronischen Geschäftsverkehr
- BGH, Urteil vom 18.11.2021, I ZR 106/20 (Kabel-TV-Anschluss als Telekommunikationsdienst) – abgerufen am 05.10.2026
- BGH, Pressemitteilung Nr. 184/2026 zum Urteil vom 01.10.2026, III ZR 205/25 (Preisanpassungsklausel eines Abos) – abgerufen am 05.10.2026
- vzbv: EuGH-Urteil vom 10.09.2026, C-669/24 (Verbandsquelle) – abgerufen am 05.10.2026
- GDV: Allgemeine Bedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB 2015), Stand 30.04.2025, G.2.7 und K.1 (Anbieterquelle) – abgerufen am 05.10.2026
Häufige Fragen
Zahle ich bis zum Vertragsende schon den höheren Preis?
Das hängt vom Recht ab. Bei Versicherung, Telefon und Energie endet der Vertrag zum Wirksamwerden der Erhöhung, wenn deine Kündigung rechtzeitig vorher ankommt – den neuen Preis zahlst du dann nicht. Bei der gesetzlichen Krankenkasse läuft die Kündigungsfrist bis zum Ende des übernächsten Monats; so lange gilt der höhere Zusatzbeitrag.
Gilt das auch, wenn der Anbieter die Leistung kürzt statt den Preis zu erhöhen?
Oft ja. Bei Telefon und Internet berechtigt jede einseitige Vertragsänderung zur Kündigung, die nicht ausschließlich vorteilhaft, rein verwaltungstechnisch oder gesetzlich vorgeschrieben ist (§ 57 Abs. 1 TKG). Bei Strom und Gas gilt auch die Anpassung der Leistungen als Änderung (§ 41 Abs. 5 EnWG), bei Versicherungen eine Minderung des Schutzes ohne Beitragssenkung (§ 40 Abs. 2 VVG). Verschlechtert ein Anbieter ein digitales Abo spürbar, fällt etwa eine gebuchte Funktion weg, kannst du binnen 30 Tagen kostenlos aussteigen (§ 327r BGB).
Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.
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