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Preiserhöhungen 2026: was gilt, was kommt, was du tun kannst

Eine Preiserhöhung im laufenden Vertrag braucht eine Grundlage im Gesetz oder eine klare Klausel im Vertrag – an Letzterem fehlte es nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 1. Oktober 2026 beim Abo eines Anbieters für Versand und Streaming. Belegt teurer wird zum 1. Januar 2027 das Deutschlandticket; offen sind noch die Zusatzbeiträge der Krankenkassen, der Rundfunkbeitrag und das Porto. Wer wegen einer Erhöhung kündigen will, hat je nach Vertrag unterschiedliche Fristen.

Von Rechtsstand geprüft am 5 Min. Lesezeit

Ein dampfender Wasserkessel auf dem Gasherd einer kleinen Küche an einem Wintermorgen, Eisblumen am Fenster
Bild: KI-generiert

Am 1. Oktober 2026 hat der Bundesgerichtshof (BGH) Klauseln für unwirksam erklärt, mit denen ein Abo-Anbieter für Warenversand und Streaming seine „Mitgliedsgebühr“ erhöhen konnte – weil für Kunden nicht klar war, ob sie sich gegen eine Erhöhung schon mit einem Widerspruch wehren können oder nur mit einer Kündigung (BGH, 01.10.2026, III ZR 205/25). Dieser Beitrag ist für alle, die 2026 eine Preiserhöhung bekommen haben oder zum Jahreswechsel eine erwarten. Er ordnet das Urteil ein, trennt Belegtes von Offenem und zeigt in einem Fahrplan, bis wann du bei welchem Vertrag reagieren musst. Die Rechte je Branche erklärt der Ratgeber Preiserhöhung: was tun ausführlich.

Das Urteil vom 1. Oktober 2026

Der Anbieter hatte im Juli 2022 per E-Mail angekündigt, die Mitgliedsgebühr ab dem 15. September 2022 zu erhöhen; wer nicht einverstanden war, sollte kündigen. Seine Bedingungen sagten an einer Stelle, Kunden könnten Änderungen „ablehnen“, an anderer, sie könnten kostenlos kündigen. Der BGH hielt beide Lesarten für vertretbar: Entweder durfte der Anbieter einseitig erhöhen und den Kunden blieb nur die Kündigung – oder sie konnten mit einem einfachen Widerspruch zum alten Preis weitermachen. Diese Unklarheit benachteiligt die Kunden unangemessen, die Klauseln sind unwirksam (§ 307 Abs. 1 BGB). Vorinstanzen waren das Landgericht Düsseldorf (15. Januar 2025) und das Oberlandesgericht Düsseldorf (30. Oktober 2025).

Laut Verbraucherzentrale NRW betraf das Verfahren die Erhöhung bei Amazon Prime zum 15. September 2022, monatlich von 7,99 auf 8,99 Euro und jährlich von 69 auf 89,90 Euro. Mitglieder, die seit damals dabei sind, habe Amazon noch am Urteilsabend informiert, dass ihr Beitrag wieder auf den Ausgangsbetrag sinkt; zu viel Gezahltes erstatte das Unternehmen nicht von sich aus. Dafür führt die Verbraucherzentrale NRW eine Sammelklage vor dem Oberlandesgericht Hamm, der sich Betroffene über das Klageregister des Bundesamts für Justiz anschließen können (Verbandsquelle). Einzelheiten stehen auf der Seite Amazon Prime kündigen.

Über den Einzelfall hinaus zeigt das Urteil: Aus einer Preisklausel muss klar hervorgehen, wie du auf eine Erhöhung reagieren kannst. Ist sie unwirksam, fehlt der Erhöhung die vertragliche Grundlage (AGB-Klauseln, die nicht gelten). Zur Rückzahlung bereits geleisteter Mehrbeträge äußert sich die Pressemitteilung nicht; die Urteilsgründe lagen am 5. Oktober 2026 noch nicht vor.

Was belegt ist – und was noch offen

TerminWasStand am 5. Oktober 2026
01.01.2026Deutschlandticket: 63 statt 58 Euro im Monatgilt laut Tarifbestimmungen
2026Krankenkassen: durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz 2,9 Prozent, jede Kasse setzt ihren eigenen Satzgilt
10.09.2026EuGH: Aus dem Kündigungsrecht nach § 57 TKG folgt für Telefon- und Internetanbieter kein Recht zur Erhöhungentschieden; über die Klausel im Ausgangsfall entscheidet das Oberlandesgericht Düsseldorf
01.10.2026BGH: Preisklauseln eines Abos für Versand und Streaming unwirksamentschieden; Volltext ausstehend
01.01.2027Deutschlandticket: 66,80 Euro im Monatbeschlossen (Land Hessen, 30.09.2026)
01.01.2027Zusatzbeiträge der Krankenkassenoffen; den Durchschnittswert gibt das Gesundheitsministerium bis 01.11.2026 bekannt
01.01.2027Rundfunkbeitrag: 18,36 Euro, empfohlen sind 18,64 Eurooffen; nötig wäre ein Staatsvertrag aller Länder
2027Porto der Deutschen Postoffen; neue Preise noch nicht genehmigt

Erhöhungen einzelner Anbieter nennen wir nur, wenn sie aus einer offiziellen Quelle belegt sind. Was für deinen Vertrag gilt – Preisklausel, Sonderrecht, Frist –, steht im Steckbrief des Anbieters. Hintergründe zu den Terminen geben die Beiträge Deutschlandticket 2027 und Zusatzbeiträge 2027.

Drei Fragen vor jeder Reaktion

  1. Darf der Anbieter überhaupt erhöhen?Nur, wenn das Gesetz es vorsieht – etwa in der Grundversorgung mit Strom und Gas – oder dein Vertrag eine wirksame und klare Klausel enthält. Für Telefon und Internet stellte der Europäische Gerichtshof klar: Das gesetzliche Kündigungsrecht allein erlaubt dem Anbieter keine Erhöhung (EuGH zu Preiserhöhungen bei TK-Verträgen, § 57 TKG).
  2. Ist die Mitteilung in Ordnung?Notier den Tag, an dem sie ankam, und den Termin der Erhöhung. Je nach Branche gelten Mindestvorläufe: bei Telefon und Internet ein bis zwei Monate, bei Strom- und Gas-Sonderverträgen mindestens ein Monat, bei Versicherungen ein Monat.
  3. Welches Recht hast du?Sonderkündigung, Widerspruch oder ordentliche Kündigung – das hängt vom Vertrag ab. Alle gesetzlichen Sonderrechte sammelt der Ratgeber Sonderkündigungsrecht.

Fahrplan zum Jahreswechsel 2026/2027

Bis wannWasFolgeGrundlage
Di 01.12.2026Spätester Zugang der Mitteilung, wenn ein Versicherer den Beitrag per Anpassungsklausel zum 01.01.2027 erhöhtKündigung binnen eines Monats ab Zugang; der Vertrag endet frühestens zum 01.01.2027§ 40 VVG
Di 01.12.2026Spätester Zugang der Ankündigung, wenn ein Strom- oder Gaslieferant im Sondervertrag zum 01.01.2027 erhöhtfristlose und kostenfreie Kündigung zum Erhöhungstermin§ 41 Abs. 5 EnWG
01.11. bis 01.12.2026Zeitfenster für die Mitteilung, wenn ein Telefon- oder Internetanbieter zum 01.01.2027 erhöhtSonderkündigung binnen drei Monaten ab Zugang, etwa bei Zugang am Mo 16.11.2026 bis Di 16.02.2027§ 57 TKG
Do 10.12.2026Deutschlandticket kündigen, wenn du im Januar nicht 66,80 Euro zahlen willstdas Abo endet am 31.12.2026Tarifbestimmungen Nr. 1.3
Fr 29.01.2027 (Fristende So 31.01.2027)Krankenkasse wechseln, wenn sie den Zusatzbeitrag zum 01.01.2027 erhöhtMitgliedschaft endet am 31.03.2027; bei einem Wechsel schon im Dezember am 28.02.2027§ 175 Abs. 4 SGB V

Der Check zeigt, ob dein Vertrag ein Sonderkündigungsrecht hergibt und bis wann du handeln musst:

Rechner

Sonderkündigungs-Check

Zwei Fragen – und du siehst, ob ein Sonderkündigungsrecht greift, welche Frist läuft und welche Vorlage passt.

Der Check nennt die gesetzlichen Sonderrechte. Viele Verträge enthalten zusätzliche Rechte – ein Blick in die Bedingungen lohnt sich.

Kündigen, widersprechen oder zahlen

Möchtest du wechseln, kündige mit dem Sonderkündigungsrecht zum Erhöhungstermin und hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt; eine Vorlage findest du unter Sonderkündigung nach Preiserhöhung. Möchtest du den Vertrag behalten, die Erhöhung aber nicht akzeptieren, widersprich ihr in Textform (Widerspruch gegen eine Preiserhöhung) und zahle den Aufschlag nur unter Vorbehalt. Denn wer in Kenntnis seiner Nichtschuld zahlt, kann das Geld später nicht zurückfordern (§ 814 BGB). Wer ohnehin wechseln möchte, sollte die Frist für die Sonderkündigung nicht verstreichen lassen, während er auf Gerichtsentscheidungen wartet. Für Telefon und Internet erklärt der Beitrag Telekom-Preisanpassung das Vorgehen an einem Beispiel; für Energie gilt Strom und Gas kündigen.

Quellen

Häufige Fragen

Bekomme ich Geld zurück, wenn eine Preisklausel unwirksam war?

Das hängt vom Einzelfall ab. Im Fall des BGH-Urteils vom 1. Oktober 2026 entscheidet über Rückzahlungen das Oberlandesgericht Hamm in der Sammelklage der Verbraucherzentrale NRW; mitmachen kann, wer sich ins Klageregister einträgt. Zahlst du künftig nur unter Vorbehalt, kann dir später nicht entgegengehalten werden, du hättest in Kenntnis der Nichtschuld gezahlt.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.

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