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Kündigung in der Probezeit durch den Arbeitgeber: Vorlage und Rückwärtsplan

In einer vereinbarten Probezeit von höchstens sechs Monaten kündigst du als Arbeitgeber mit zwei Wochen zu jedem Kalendertag (§ 622 Abs. 3 BGB). Die Kündigung muss noch in der Probezeit zugehen; ein Grund ist nicht nötig. Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung und das Kündigungsverbot im Mutterschutz gelten aber vom ersten Tag an.

Von Rechtsstand geprüft am 7 Min. Lesezeit

Zwei schlichte weiße Tassen auf der Arbeitsfläche einer kleinen Büroküche, eine umgedreht auf einem Geschirrtuch, im Abendlicht
KI-generiert

Diese Vorlage ist für Arbeitgeber, die sich in der Probezeit von einer neuen Kraft trennen wollen. Sie erzeugt das Kündigungsschreiben mit der Zwei-Wochen-Frist und rechnet an einem Beispiel rückwärts, bis wann Betriebsrat und Zugang erledigt sein müssen, wenn die Probezeit kurz vor Ostern endet. Beschäftigte sehen, ob ihre Kündigung in der Probezeit formal stimmt. Die Regeln für beide Seiten stehen unter Kündigung in der Probezeit, die Vorlage für die eigene Kündigung unter Kündigung in der Probezeit (Arbeitnehmer).

Gilt die kurze Frist?

Zwei Wochen zu jedem beliebigen Tag gelten nur in einer vereinbarten Probezeit und höchstens in den ersten sechs Monaten (§ 622 Abs. 3 BGB). Die Kündigung muss vor dem Ende der Probezeit zugehen, das Arbeitsverhältnis darf danach enden. Drei Abweichungen kommen häufig vor:

  • Befristeter Vertrag: Hier darf die Probezeit gemessen an Befristung und Tätigkeit nicht unverhältnismäßig lang sein (§ 15 Abs. 3 TzBfG). Ist sie so lang wie die Befristung, ist sie in der Regel unwirksam, und es gilt die Grundfrist (BAG, 05.12.2024, 2 AZR 275/23); vier Monate bei einem Jahr waren angemessen (BAG, 30.10.2025, 2 AZR 160/24).
  • Tarifvertrag: im öffentlichen Dienst zwei Wochen zum Monatsschluss (§ 34 TVöD), in der Zeitarbeit in den ersten drei Monaten eine Woche (§ 2.4 MTV DGB/GVP). Trag dann den passenden Termin ins Feld „Kündigung zum“ ein.
  • Ausbildung: In der Probezeit kann ohne Frist gekündigt werden (§ 22 Abs. 1 BBiG); für Auszubildende passt diese Vorlage nicht – siehe Ausbildungsvertrag.

Vorlage

Kündigung in der Probezeit durch den Arbeitgeber: ausfüllen und drucken

Felder ausfüllen, Brief prüfen und drucken. Alles bleibt in deinem Browser – nichts wird übertragen oder gespeichert.

1. Angaben
Mit Komma am Ende, z. B. „Sehr geehrte Frau Beispiel,“
Frühestens zwei Wochen nach dem Tag, an dem die Kündigung sicher zugeht; jeder Kalendertag ist möglich, im TVöD nur der Monatsletzte.
Freiwillig; erscheint unter dem Betreff.
2. Empfänger
3. Absender
Als Absender oben die Firma eintragen. Hier Name und Funktion der unterschreibenden Person, die Funktion in Klammern – z. B. „Erika Muster (Geschäftsführerin)“ oder „Max Beispiel (ppa.)“. Mehrere Personen mit Semikolon trennen.
4. Zusätze

[Firma (Arbeitgeber)] · [Straße und Hausnummer] · [PLZ Ort]

Vor- und Nachname
Straße und Hausnummer
PLZ Ort

[Ort], 6. Oktober 2026

Kündigung des Arbeitsverhältnisses in der Probezeit

[Anrede]

hiermit kündigen wir das mit Ihnen bestehende Arbeitsverhältnis innerhalb der vereinbarten Probezeit mit einer Frist von zwei Wochen zum [Kündigung zum], hilfsweise zum nächstzulässigen Termin.

Bitte melden Sie sich innerhalb von drei Tagen bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend, auch online möglich, und bemühen Sie sich frühzeitig um eine neue Stelle; dafür stellen wir Sie nach Absprache frei.

Bitte bestätigen Sie den Erhalt mit Datum und Unterschrift auf der beigefügten Kopie – nur den Empfang, nicht Ihr Einverständnis.

Mit freundlichen Grüßen

[Firma (Arbeitgeber)]

Die Kündigung muss noch in der Probezeit zugehen (§ 622 Abs. 3 BGB): ausdrucken, von einer kündigungsberechtigten Person eigenhändig unterschreiben lassen und persönlich gegen Empfangsbestätigung oder durch einen Boten übergeben. Vorher den Betriebsrat anhören und die Wochenfrist abwarten. E-Mail, Fax und Scan sind unwirksam (§ 623 BGB).

Rückwärtsplan: Probezeitende kurz vor Ostern

Ein Beispiel: Arbeitsbeginn ist Donnerstag, 1. Oktober 2026, vereinbart sind sechs Monate Probezeit. Weil der Beginntag mitzählt, ist Mittwoch, 31. März 2027, ihr letzter Tag (§ 187 Abs. 2 BGB, § 188 Abs. 2 BGB). Am selben Tag endet die sechsmonatige Wartezeit des Kündigungsschutzgesetzes. Der Betrieb hat einen Betriebsrat; Karfreitag (26. März) und Ostermontag (29. März 2027) fallen mitten in seine Wochenfrist und zählen mit.

DatumSchrittGrundlage
bis Di 23.03.2027vollständige Unterrichtung geht beim Betriebsrat ein – besser einige Tage früher§ 102 Abs. 1 BetrVG
Di 30.03.2027Wochenfrist endet um 24 Uhr§ 102 Abs. 2 BetrVG
Mi 31.03.2027Kündigung persönlich übergeben – letzter Tag der Probezeit§ 622 Abs. 3 BGB
Mi 14.04.2027Ende des Arbeitsverhältnisses bei Zugang am 31. März§ 622 Abs. 3 BGB
Do 01.04.2027Zugang einen Tag zu spät: Grundfrist, Ende erst Fr 30.04.2027; hat der Betrieb in der Regel mehr als zehn Beschäftigte, gilt nun das Kündigungsschutzgesetz§ 622 Abs. 1 BGB, § 1 KSchG

Geht die Unterrichtung erst am Mittwoch, 24. März, ein, endet die Woche am 31. März, und gekündigt werden dürfte erst am 1. April – einen Tag zu spät. Halte den Eingang beim Betriebsrat deshalb mit Datum fest. Den Termin für deinen Fall liefert der Rechner mit der Einstellung „ja, noch in der Probezeit“:

Rechner

Arbeitsvertrag: Kündigungsfrist berechnen

Wann endet das Arbeitsverhältnis – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, mit Probezeit, Staffel nach Betriebszugehörigkeit, TVöD/TV-L, Ausbildung und Elternzeit.

Letzter Tag der Elternzeit
Leer lassen = heute
Höchstens sechs Monate; in der Ausbildung ein bis vier Monate.
Für die längeren Fristen nach Betriebszugehörigkeit; im TVöD und TV-L nötig (Beschäftigungszeit).
Im Privathaushalt gelten keine längeren Fristen nach Betriebszugehörigkeit.
Nur für die Klagefrist: Fällt sie auf einen Feiertag, endet sie am nächsten Werktag.

Grundlage: § 622 BGB und § 623 BGB (Schriftform, keine E-Mail); öffentlicher Dienst § 34 TVöD und TV-L; Ausbildung § 22 BBiG; Elternzeit § 19 BEEG. Arbeits- und andere Tarifverträge können andere Fristen vorsehen. Die längeren Fristen nach Betriebszugehörigkeit gelten von Gesetzes wegen nur für den Arbeitgeber – für dich als Arbeitnehmer nur, wenn dein Vertrag oder Tarifvertrag sie auf dich überträgt; deine Frist darf nie länger sein als die des Arbeitgebers (§ 622 Abs. 6 BGB). Klagefrist: § 4 KSchG.

Was du vorher prüfen musst

  • Betriebsrat: Beruht die Kündigung auf deiner Einschätzung, dass sich der Beschäftigte nicht bewährt hat, genügt es, ihm dieses Werturteil mitzuteilen; die Beobachtungen dahinter musst du nicht schildern. Stützt du dich auf konkrete Tatsachen, etwa einen Vorfall, gehören sie in die Anhörung (BAG, 12.09.2013, 6 AZR 121/12, Rn. 22, 27). Aufbau und Textbaustein: Anhörung des Betriebsrats.
  • Mutterschutz und Elternzeit: Das Kündigungsverbot gilt vom ersten Tag an. Teilt die Beschäftigte binnen zwei Wochen nach Zugang mit, dass sie bei Zugang schwanger war, ist die Kündigung unzulässig (§ 17 MuSchG); für die Elternzeit siehe § 18 BEEG.
  • Schwerbehinderung: Die Zustimmung des Integrationsamts brauchst du in den ersten sechs Monaten nicht (§ 173 Abs. 1 SGB IX); die Schwerbehindertenvertretung musst du aber beteiligen (BAG, 29.01.2026, 2 AZR 128/25), und die Beendigung zeigst du dem Integrationsamt binnen vier Tagen an (§ 173 Abs. 4 SGB IX). Die Frage nach einer Schwerbehinderung hat das Bundesarbeitsgericht „jedenfalls nach sechs Monaten“ erlaubt (BAG, 16.02.2012, 6 AZR 553/10, Leitsatz); für die Zeit davor sagt die Entscheidung nichts.
  • Maßregelungsverbot: Auch ohne Kündigungsschutzgesetz darfst du nicht kündigen, weil der Beschäftigte in zulässiger Weise seine Rechte ausgeübt hat (§ 612a BGB).

Unterschreiben muss eine kündigungsberechtigte Person; wer das ist und wie du Firma und Unterschrift in der Vorlage einträgst, steht bei Kündigung durch den Arbeitgeber. Am letzten Tag hilft nur die persönliche Übergabe oder ein Bote, der den Inhalt kennt.

Nach dem Zugang: die Fristen beider Seiten

Im Beispiel geht die Kündigung am Mittwoch, 31. März 2027, zu. Daraus ergibt sich:

biswerwasGrundlage
Sa 03.04.2027Beschäftigterarbeitsuchend melden, binnen drei Tagen; ob sich die Frist über Ostern verlängert, ist nicht geklärt – sicher ist die Online-Meldung am Tag des Zugangs§ 38 Abs. 1 SGB III
binnen vier TagenArbeitgeberbei schwerbehinderten Beschäftigten Anzeige an das Integrationsamt; ob ab Zugang oder ab Ende gerechnet wird, sagt das Gesetz nicht ausdrücklich – sicher ist die Anzeige zusammen mit der Kündigung§ 173 Abs. 4 SGB IX
Mi 14.04.2027Beschäftigteeine Schwangerschaft mitteilen, die bei Zugang bestand§ 17 Abs. 1 MuSchG
Mi 14.04.2027beideEnde des Arbeitsverhältnisses; Resturlaub abgelten, Zeugnis auf Verlangen§ 7 Abs. 4 BUrlG, § 109 GewO
Do 15.04.2027Beschäftigterarbeitslos melden, spätestens am ersten Tag ohne Beschäftigung§ 141 SGB III
Mi 21.04.2027BeschäftigterKlage, etwa wegen fehlender Anhörung des Betriebsrats§ 4 KSchG

Wer vor Ablauf von sechs Monaten ausscheidet, hat Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat (§ 5 Abs. 1 BUrlG); die Tage rechnet der Resturlaub-Rechner. Was nach dem Zugang für Beschäftigte der Reihe nach ansteht, zeigt Kündigung erhalten: die ersten Tage.

Häufige Fehler

  1. Probezeitende falsch gezählt: Bei Beginn am 1. Oktober endet sie am 31. März, nicht am 1. April.
  2. Am letzten Tag zur Post gegeben: Maßgeblich ist der Zugang, nicht die Absendung (§ 130 BGB).
  3. Betriebsrat erst in der letzten Woche unterrichtet: Dann reicht die Wochenfrist nicht mehr bis zum letzten Probezeittag.
  4. Tariffrist übersehen: Im TVöD endet das Arbeitsverhältnis auch in der Probezeit nur zum Monatsschluss; ein Termin mitten im Monat ist dann falsch.
  5. An der Kündigung festgehalten, obwohl eine Schwangerschaft mitgeteilt wurde: Ohne Zulässigkeitserklärung der Landesbehörde ist sie unzulässig, auch in der Probezeit.

Quellen

Häufige Fragen

Muss ich vor einer Kündigung in der Probezeit abmahnen?

Für die ordentliche Kündigung nicht, solange das Kündigungsschutzgesetz noch nicht gilt: In den ersten sechs Monaten braucht sie keinen Grund im Sinne des Gesetzes und damit auch keine vorherige Abmahnung. Für eine fristlose Kündigung bleibt die Abmahnung als milderes Mittel wichtig, weil § 626 BGB immer eine Abwägung verlangt.

Wie ausführlich muss das Zeugnis nach wenigen Monaten sein?

Ohne Verlangen genügt ein einfaches Zeugnis über Art und Dauer der Tätigkeit. Verlangt der Beschäftigte ein qualifiziertes, bewertest du auch Leistung und Verhalten – wahr, klar und im Fließtext (§ 109 GewO; BAG 9 AZR 262/20). Nach kurzer Zeit fällt die Beurteilung entsprechend knapp aus.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.

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