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Kündigung vor Arbeitsantritt
Ein Arbeitsvertrag kann schon vor dem ersten Arbeitstag gekündigt werden, wenn die Parteien das nicht ausgeschlossen haben. Die Kündigungsfrist beginnt nach der Grundregel mit dem Zugang der Kündigung, nicht mit dem vereinbarten Arbeitsbeginn – anders nur, wenn der Vertrag das so regelt. Die Kündigung braucht die Schriftform (§ 623 BGB), und eine Vertragsstrafe darf sich nur an der Kündigungsfrist orientieren.

Diese Seite ist für Beschäftigte, die einen Arbeitsvertrag unterschrieben haben und die Stelle doch nicht antreten wollen – etwa weil ein besseres Angebot kam –, und für Arbeitgeber, die einer eingestellten Person schon vor dem ersten Arbeitstag absagen müssen. Sie klärt, ob und wie vor dem Arbeitsantritt gekündigt werden kann, rechnet an einem Beispiel vor, wann die Frist beginnt, zeigt, welcher Schutz schon vor dem ersten Tag gilt, und prüft, wann eine Vertragsstrafe für den Nichtantritt wirksam ist.
Kündigen, bevor es losgeht: erlaubt, wenn nichts anderes vereinbart ist
Mit der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag entsteht das Arbeitsverhältnis – auch wenn die Arbeit erst Wochen oder Monate später beginnen soll. Schon ab dann ist der Beschäftigte verpflichtet, die Arbeit zum vereinbarten Termin aufzunehmen, und der Arbeitgeber, ihn ab dann zu beschäftigen und zu bezahlen (BAG, 27.02.2020, 2 AZR 498/19, Rn. 12). Weil ein Arbeitsverhältnis besteht, kann es auch gekündigt werden. Ausgeschlossen ist die Kündigung vor dem Dienstantritt nur, wenn die Parteien das ausdrücklich vereinbart haben oder sich der Ausschluss zweifelsfrei aus den Umständen ergibt (BAG, 23.02.2017, 6 AZR 665/15, Rn. 30). Ob schon eine Vertragsstrafe für den Fall des Nichtantritts einen solchen Ausschluss bedeutet, hat das Bundesarbeitsgericht offengelassen – sie könnte ihn „allenfalls“ begründen (Rn. 31).
Für die Kündigung gelten dieselben Formregeln wie später: schriftlich, auf Papier, eigenhändig unterschrieben; eine E-Mail oder Messenger-Nachricht beendet den Vertrag nicht (§ 623 BGB). Mehr dazu unter Form der Kündigung.
Wann die Frist beginnt – ein Rechenbeispiel
Die Grundregel lautet: Auch bei einer Kündigung vor Dienstantritt beginnt die Kündigungsfrist mit dem Zugang der Kündigung. Die Parteien können aber vereinbaren, dass sie erst mit dem vereinbarten Arbeitsbeginn zu laufen beginnt; das läuft auf eine Mindestvertragsdauer hinaus (BAG, 23.02.2017, 6 AZR 665/15, Rn. 50). Beginnt die Frist erst mit dem ersten Arbeitstag, zählt dieser Tag mit (§ 187 Abs. 2 BGB; Rn. 52). Ein Beispiel: Der Vertrag sieht den Beginn am Dienstag, 1. Dezember 2026, vor und eine Probezeit von sechs Monaten mit zwei Wochen Frist. Die Kündigung geht am Montag, 2. November 2026, zu.
| Variante | Frist | Arbeitsverhältnis endet am |
|---|---|---|
| Frist ab Zugang, kurze Probezeitfrist | zwei Wochen | Mo 16.11.2026 – vor dem ersten Arbeitstag |
| Frist ab Zugang, gesetzliche Grundfrist | vier Wochen zum 15. oder Monatsende | Mo 30.11.2026 – ebenfalls vor dem ersten Arbeitstag |
| Frist ab Arbeitsbeginn (nur wenn so vereinbart), zwei Wochen | ab Di 01.12.2026, erster Tag zählt mit | Mo 14.12.2026 |
| Frist ab Arbeitsbeginn (nur wenn so vereinbart), Grundfrist | vier Wochen bis Mo 28.12.2026, dann zum Monatsende | Do 31.12.2026 |
Endet die Frist vor dem vereinbarten Beginn, muss die Arbeit gar nicht erst aufgenommen werden. Endet sie danach, besteht die Arbeitspflicht bis zum letzten Tag – und der Arbeitgeber muss für diese Zeit zahlen, wenn er die angebotene Arbeit nicht annimmt (§ 615 BGB).
Offen ist, ob die kurze Probezeitfrist schon für eine Kündigung vor dem ersten Arbeitstag gilt. Das Gesetz erlaubt sie „während einer vereinbarten Probezeit“ (§ 622 Abs. 3 BGB); ob diese schon vor dem Arbeitsantritt läuft, beantworten die hier geprüften Entscheidungen nicht. Wer kündigt, sollte deshalb das Datum nach der längeren Frist ausrechnen oder es so formulieren, dass im Zweifel der nächstzulässige Termin gilt – wie das geht, steht im Ratgeber „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“. Mit eigenen Daten rechnet der Arbeitsvertrag-Rechner; als Zugangstag trägst du den Tag ein, an dem das Schreiben ankommt:
Rechner
Arbeitsvertrag: Kündigungsfrist berechnen
Wann endet das Arbeitsverhältnis – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, mit Probezeit, Staffel nach Betriebszugehörigkeit, TVöD/TV-L, Ausbildung und Elternzeit.
Grundlage: § 622 BGB und § 623 BGB (Schriftform, keine E-Mail); öffentlicher Dienst § 34 TVöD und TV-L; Ausbildung § 22 BBiG; Elternzeit § 19 BEEG. Arbeits- und andere Tarifverträge können andere Fristen vorsehen. Die längeren Fristen nach Betriebszugehörigkeit gelten von Gesetzes wegen nur für den Arbeitgeber – für dich als Arbeitnehmer nur, wenn dein Vertrag oder Tarifvertrag sie auf dich überträgt; deine Frist darf nie länger sein als die des Arbeitgebers (§ 622 Abs. 6 BGB). Klagefrist: § 4 KSchG.
Was schon vor dem ersten Tag gilt – und was nicht
| Regel | Gilt vor dem Arbeitsantritt? | Grundlage |
|---|---|---|
| Schriftform der Kündigung | ja | § 623 BGB |
| Kündigungsschutzgesetz | nein – die sechsmonatige Wartezeit beginnt erst mit dem vereinbarten ersten Arbeitstag; eine soziale Rechtfertigung ist deshalb nicht nötig, außer der Vertrag verkürzt die Wartezeit oder rechnet frühere Zeiten an | BAG, 23.02.2017, 6 AZR 665/15, Rn. 38; § 1 Abs. 1 KSchG |
| Kündigungsverbot in der Schwangerschaft | ja, schon ab Vertragsschluss | BAG, 27.02.2020, 2 AZR 498/19, Leitsatz; § 17 MuSchG |
| Zustimmung des Integrationsamts bei Schwerbehinderung | nein – in den ersten sechs Monaten nicht nötig | § 173 Abs. 1 SGB IX |
| Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung | in der Wartezeit ja; für die Zeit vor dem Arbeitsantritt nicht entschieden – im Zweifel beteiligen | BAG, 29.01.2026, 2 AZR 128/25; § 178 Abs. 2 SGB IX |
| Anhörung des Betriebsrats | ungeklärt; das Bundesarbeitsgericht hat die Frage ausdrücklich offengelassen – im Zweifel anhören | BAG, 23.02.2017, 6 AZR 665/15, Rn. 47; § 102 BetrVG |
| Klagefrist von drei Wochen | ja, für jede Kündigung des Arbeitgebers | § 4 KSchG |
Der Fall, in dem das Bundesarbeitsgericht den Mutterschutz vor dem Arbeitsantritt bejaht hat, zeigt das typische Muster: Vertrag im Dezember geschlossen, Beginn am 1. Februar, im Januar teilt die künftige Mitarbeiterin ihre Schwangerschaft mit, der Arbeitgeber kündigt Ende Januar mit der Probezeitfrist. Die Kündigung war nichtig (BAG, 27.02.2020, 2 AZR 498/19, Rn. 2, 3, 8). Was der Mutterschutz sonst verlangt, steht unter Schwangerschaft und Mutterschutz.

Vertragsstrafe für den Nichtantritt: was sie darf
Manche Arbeitsverträge sehen eine Vertragsstrafe vor, wenn die Arbeit nicht oder zu spät aufgenommen wird. Im Arbeitsrecht ist das grundsätzlich zulässig: Das allgemeine Verbot solcher Strafen in Geschäftsbedingungen (§ 309 BGB, Nr. 6) wird wegen der Besonderheiten des Arbeitsrechts (§ 310 Abs. 4 BGB) nicht angewendet (BAG, 23.09.2010, 8 AZR 897/08, Rn. 19; BAG, 17.03.2016, 8 AZR 665/14, Rn. 11). Unwirksam ist die Klausel aber, wenn sie den Arbeitnehmer unangemessen benachteiligt oder unklar ist:
- Höhe: Maßstab ist vor allem die Kündigungsfrist, denn sie zeigt, wie lange der Arbeitgeber die Arbeit überhaupt verlangen kann (BAG, 17.03.2016, 8 AZR 665/14, Rn. 23). Eine Strafe von einem Bruttomonatsgehalt ist eine unzulässige Übersicherung, wenn der Arbeitnehmer in der Probezeit mit zwei Wochen hätte kündigen können (BAG, 17.03.2016, 8 AZR 665/14, Rn. 21, 24; BAG, 23.09.2010, 8 AZR 897/08, Rn. 22).
- Folge: Die zu hohe Klausel fällt ersatzlos weg; das Gericht kürzt sie nicht auf ein zulässiges Maß (BAG, 17.03.2016, 8 AZR 665/14, Rn. 28, 29).
- Klarheit: Ist nicht erkennbar, in welchem Fall welche Strafe fällig wird, ist die Klausel wegen Intransparenz unwirksam (BAG, 24.08.2017, 8 AZR 378/16, Rn. 17–22).
| Prüffrage | Wenn ja |
|---|---|
| Gibt es überhaupt eine Klausel für den Nichtantritt? | weiter prüfen – sonst kann keine Strafe verlangt werden |
| Wurde rechtzeitig vor dem Beginn fristgerecht gekündigt? | Endet das Arbeitsverhältnis vor dem ersten Arbeitstag, liegt kein Nichtantritt unter Vertragsbruch vor |
| Ist die Strafe höher als das Entgelt für die Zeit der einzuhaltenden Kündigungsfrist? | dann spricht nach der Rechtsprechung viel für eine unangemessene Übersicherung |
| Ist unklar, welche Strafe in welchem Fall gilt? | Intransparenz – die Klausel entfällt |
Zur Einordnung ein Rechenbeispiel: Bei 3.000 Euro brutto im Monat entspricht das Entgelt für zwei Wochen rund 1.385 Euro (3.000 × 12 : 52 × 2) – eine Strafe von 3.000 Euro läge also deutlich darüber. Eine wirksame, aber unverhältnismäßig hohe Strafe aus einer einzeln ausgehandelten Abrede kann das Gericht auf Antrag herabsetzen (§ 343 BGB).
Einfach nicht erscheinen? Die Folgen
Wer ohne Kündigung nicht antritt, bricht den Vertrag. Zur Arbeit zwingen kann der Arbeitgeber niemanden: Eine Verurteilung zur Leistung von Diensten wird nicht mit Zwangsmitteln durchgesetzt (§ 888 ZPO, Abs. 3). Er kann aber eine wirksam vereinbarte Vertragsstrafe verlangen oder Schadensersatz für einen konkret nachgewiesenen Schaden (§ 280 Abs. 1 BGB). Der sichere Weg ist deshalb immer die schriftliche Kündigung, so früh wie möglich.
Eine tarifliche Besonderheit gilt in der Zeitarbeit: Nach dem Manteltarifvertrag DGB/GVP gilt das Arbeitsverhältnis als nicht zustande gekommen, wenn der Arbeitnehmer am ersten Arbeitstag nicht erscheint und den Arbeitgeber nicht unverzüglich über die Verhinderung benachrichtigt (§ 2.2 MTV). Mehr unter Zeitarbeit.
So geht ihr vor – je nach Rolle
Als künftiger Beschäftigter
- Vertrag prüfenIst die Kündigung vor Antritt ausgeschlossen? Steht dort, ab wann die Frist läuft? Gibt es eine Vertragsstrafe, und wie hoch ist sie?
- Sofort kündigenJe früher die Kündigung zugeht, desto eher endet das Arbeitsverhältnis vor dem ersten Tag. Ein Muster bietet die Vorlage Kündigung durch den Arbeitnehmer; das Ende nennst du nach der längeren denkbaren Frist, hilfsweise zum nächstzulässigen Termin.
- Zugang beweisbar machenPersönlich übergeben oder durch einen Boten, der den Inhalt kennt – siehe Zugang der Kündigung.
- Den alten Job im Blick behaltenWer die alte Stelle schon gekündigt hat, kann die Kündigung nur mit Zustimmung des alten Arbeitgebers zurücknehmen – siehe Kündigung zurücknehmen – und sollte sich bei drohender Arbeitslosigkeit rechtzeitig arbeitsuchend melden. Was beim Wechsel alles zu beachten ist, sammelt die Lebenslage Jobwechsel.
Als Arbeitgeber
- Sonderkündigungsschutz klärenVor allem eine bekannte Schwangerschaft – das Kündigungsverbot gilt schon vor dem Arbeitsantritt.
- Betriebsrat vorsorglich anhörenSolange die Frage ungeklärt ist, vermeidet die Anhörung das Risiko einer unwirksamen Kündigung; die Fristen stehen unter Anhörung des Betriebsrats.
- Schriftlich kündigen und Frist ab Zugang rechnenUnterschrift einer vertretungsberechtigten Person, Zugang dokumentieren; ein Muster bietet die Vorlage Kündigung durch den Arbeitgeber.
- Vertragsstrafen realistisch einschätzenEine Strafe nur verlangen, wenn die Klausel der Prüfung oben standhält.
Quellen
- § 622 BGB, § 623 BGB, § 187 BGB und § 615 BGB – Vergütung bei Annahmeverzug
- § 309 BGB, § 310 BGB, § 343 BGB – Herabsetzung der Strafe und § 280 BGB
- § 888 ZPO – Nicht vertretbare Handlungen
- § 1 KSchG, § 4 KSchG, § 17 MuSchG, § 173 SGB IX, § 178 SGB IX und § 102 BetrVG
- BAG, Urteil vom 23.02.2017, 6 AZR 665/15 (Kündigung vor Dienstantritt, Fristbeginn) – abgerufen am 05.10.2026
- BAG, Urteil vom 27.02.2020, 2 AZR 498/19 (Mutterschutz vor der Tätigkeitsaufnahme) – abgerufen am 05.10.2026
- BAG, Urteil vom 17.03.2016, 8 AZR 665/14 (Höhe der Vertragsstrafe in der Probezeit) – abgerufen am 05.10.2026
- BAG, Urteil vom 23.09.2010, 8 AZR 897/08 (Vertragsstrafe als Übersicherung) – abgerufen am 05.10.2026
- BAG, Urteil vom 29.01.2026, 2 AZR 128/25 (Schwerbehindertenvertretung auch in der Wartezeit) – abgerufen am 05.10.2026
- BAG, Urteil vom 24.08.2017, 8 AZR 378/16 (intransparente Vertragsstrafe) – abgerufen am 05.10.2026
- Manteltarifvertrag DGB/GVP für die Zeitarbeit (§ 2.2) – abgerufen am 05.10.2026
Häufige Fragen
Kann der Arbeitgeber eine unterschriebene Zusage per E-Mail zurückziehen?
Nein. Mit der Unterschrift besteht ein Arbeitsverhältnis, und eine Kündigung braucht die Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift; die elektronische Form ist ausgeschlossen (§ 623 BGB). Eine E-Mail beendet den Vertrag deshalb nicht. Auch die dreiwöchige Klagefrist beginnt erst mit dem Zugang einer schriftlichen Kündigung (§ 4 Satz 1 KSchG).
Bekomme ich Geld, wenn mir vor dem Start gekündigt wird und die Frist erst danach endet?
Ja, für die Zeit zwischen dem vereinbarten Beginn und dem Ende der Frist. Biete deine Arbeit zum vereinbarten Termin an; nimmt der Arbeitgeber sie nicht an, schuldet er die vereinbarte Vergütung. Anrechnen lassen musst du dir, was du in dieser Zeit anderweitig verdienst oder zu verdienen böswillig unterlässt (§ 615 BGB).
Muss ich für die neue Stelle wirklich die volle Frist abarbeiten, wenn ich sie gar nicht mehr will?
Endet die Frist nach dem ersten Arbeitstag, besteht die Arbeitspflicht bis zum letzten Tag. Wer früher heraus will, kann dem Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag zu einem früheren Datum vorschlagen; er braucht wie die Kündigung die Schriftform mit beiden Unterschriften. Ohne Einigung bleibt es bei der Frist.
Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.
Passt dazu
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Verträge AufhebungsvertragWas hineingehört, was er beim Arbeitslosengeld kostet und wann er unwirksam ist
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