Ratgeber

Probeabo und Gratismonat kündigen, bevor es Geld kostet

Ein Probeabo ist meist von Anfang an ein bezahltes Abo mit Gratisphase: Kündigst du nicht rechtzeitig, beginnt die Zahlungspflicht automatisch. Wann „rechtzeitig“ ist, legt jeder Dienst selbst fest – vom letzten Tag der Testphase bis 48 Stunden vorher. Am sichersten kündigst du gleich nach der Anmeldung; bei manchen Diensten endet der Zugang dann aber sofort.

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Kopfhörer hängen über der Lehne eines Holzstuhls in einem hellen Arbeitszimmer, daneben ein zugeklappter Laptop und eine Pflanze
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Diese Seite ist für alle, die einen Dienst kostenlos testen und nicht in ein bezahltes Abo rutschen wollen – oder die es schon passiert ist. Sie erklärt, warum ein Probeabo rechtlich meist schon ein Abo ist, stellt die Kündigungsregeln großer Dienste nebeneinander, rechnet vor, was ein vergessener Gratismonat kostet, und zeigt, wann du widerrufen kannst und wann gar kein Vertrag zustande gekommen ist.

Was ein Probeabo rechtlich ist

Hinter „30 Tage gratis“ steckt meist ein Vertrag mit zwei Phasen: erst die kostenlose Testphase, danach ein bezahltes Abo, das automatisch beginnt, wenn du nicht kündigst. Der Bundesgerichtshof sieht darin von Anfang an einen Vertrag, der zur Zahlung verpflichtet – die Gratisphase ändert daran nichts (BGH, 04.06.2024, X ZR 81/23). Daraus folgen drei Dinge:

  • Klare Information vor dem Klick: Unmittelbar vor der Bestellung muss der Anbieter unter anderem die Gesamtkosten je Abrechnungszeitraum, die Laufzeit und die Kündigungsbedingungen klar und hervorgehoben nennen (§ 312j Abs. 2 BGB).
  • Eindeutige Bestellschaltfläche: Der Button muss erkennen lassen, dass du dich zur Zahlung verpflichtest, etwa „zahlungspflichtig bestellen“; sonst kommt kein Vertrag zustande (§ 312j Abs. 3 BGB, § 312j Abs. 4 BGB). Aus der Bildschirmseite mit dem Button muss außerdem hervorgehen, für welche Leistungen du zahlst.
  • Kündigungsbutton: Weil das Probeabo auf ein bezahltes Dauerschuldverhältnis zielt, kannst du es über „Verträge hier kündigen“ beenden, wenn der Anbieter solche Abos online abschließt (§ 312k BGB).

Im Fall des Bundesgerichtshofs hatte ein Reiseportal beim Flugkauf ein „kostenloses 30-Tage-Probeabo“ angeboten, das sich danach für 74,99 Euro im Jahr verlängerte. Der Knopf „Jetzt kaufen“ hätte als Wortlaut genügt, auf der Bestellseite war aber nicht zu erkennen, dass er auch das Abo auslöste. Der Abovertrag war deshalb nie zustande gekommen; die Kundin bekam die 74,99 Euro vollständig zurück, ohne den Flugrabatt ausgleichen zu müssen.

Es gibt auch Probeabos, die von selbst enden – dann musst du nichts tun. Und es gibt das Gegenteil: Bei der ZEIT etwa schließt du mit einem Probeangebot nach den Geschäftsbedingungen gleich ein Abo mit unbestimmter Laufzeit ab, bei dem nur die ersten Ausgaben kostenlos oder günstiger sind. Welcher Fall vorliegt, steht in der Bestellbestätigung, die du auf einem dauerhaften Datenträger bekommen musst (§ 312f Abs. 2 BGB).

Kündigungsregeln großer Dienste

Bis wann du kündigen musst und ob der Zugang danach sofort endet, legt jeder Dienst in seinen Bedingungen fest. Die Tabelle gibt wieder, was die Dienste am 5. Oktober 2026 auf ihren Hilfeseiten und in ihren Bedingungen schrieben. Probeangebote wechseln häufig; für dich zählt, was in deiner Bestellbestätigung steht.

DienstTestphaseSpätestens kündigenNach der Kündigung
Amazon PrimeGratiszeitraum laut Angebotjederzeit während des GratiszeitraumsMitgliedschaft endet nach dem Gratiszeitraum, keine Kosten
Spotify PremiumProbe-Abo laut Angebotsbedingungenvor Ende des ProbezeitraumsKonto wird sofort auf Spotify Free umgestellt; ein gekündigtes Gratis-Abo lässt sich nicht reaktivieren
Paramount+Dauer wird bei der Anmeldung genannt; Zahlungsmittel nötigvor Ablauf; Erinnerung mindestens 5 Tage vorher in TextformZugang bis zum Ende der Probezeit
JoynTestphase nur für Neukunden, Dauer laut Leistungsbeschreibungbis zum letzten Tag – die Kündigung muss eingegangen seinkeine Kosten; sonst beginnt die Abrechnung am Folgetag
Zattooausgewählte TV-Pakete einen Monatbis 48 Stunden vor Ablaufsonst wird ein kostenpflichtiges Abo daraus
WOW Premium (Zusatzoption)7 Tagezum Ende der Testphase, ohne Zusatzkostendanach unbefristet, monatlich kündbar
DIE ZEIT digitalvier Wochen gratisAbo mit unbestimmter Laufzeit, Kündigung jederzeit mit einem Monat Fristohne Kündigung regulärer Preis je Ausgabe
Abos im Apple App Storeje nach Appmindestens 24 Stunden vor Ablauf der Probezeitsonst Verlängerung zum Abopreis
Abos bei Google Playje nach App; E-Mail vor dem Endevor Ablauf; die Zahlungsmethode kann bis zu 48 Stunden vor der Verlängerung mit einer Vorautorisierung belastet werdensonst beginnt der erste Abrechnungszeitraum

Hast du über einen Partner gebucht – etwa als Kanal bei einem Streamingdienst oder im Paket deines TV- oder Mobilfunkanbieters –, gelten dessen Bedingungen, und dort kündigst du auch. Für Abos über Apple und Google steht alles Weitere unter Abos bei Apple und Google; die Wege je Dienst findest du im Anbieterverzeichnis.

Was ein vergessener Gratismonat kostet

Ein Beispiel mit angenommenem Preis: Du startest am Montag, 5. Oktober 2026, online einen Gratismonat. Laut Bestätigung endet er am Mittwoch, 4. November 2026; danach kostet das Abo 12,99 Euro im Monat und ist monatlich kündbar.

Wann du handelstFolgeKosten
Widerruf bis Mo 19.10.2026Vertrag wird rückabgewickelt (§ 355 Abs. 2 BGB)0,00 €
Kündigung bis zum Ende der Testphasekein bezahlter Zeitraum (Fristen der Dienste beachten)0,00 €
Bemerkt nach drei AbbuchungenKündigung zum Ende des laufenden Abrechnungsmonats38,97 €
Ein Jahr vergessenzwölf Abbuchungen155,88 €

Ein monatlich kündbares Abo beendest du zum Ende des laufenden Abrechnungsmonats; teuer wird es nur durch das Vergessen. Anders ist es, wenn die Testphase in ein Jahresabo übergeht. Für Abos seit dem 1. März 2022 darf sich ein Vertrag nach der ersten Laufzeit zwar nur noch unbefristet verlängern (§ 309 Nr. 9 BGB). Ob der Übergang von der Gratisphase in ein Jahresabo als solche Verlängerung zählt oder als von Anfang an vereinbarte Laufzeit, ist nicht höchstrichterlich geklärt. Lies deshalb vor dem Start, was nach der Testphase kommt.

Damit du keinen Termin verpasst, trag deine Testphasen in den Abo-Kosten-Rechner ein. Als Kündigungstermin setzt du den letzten Tag laut Tabelle, bei Zattoo also zwei Tage vor dem Ende; der Rechner legt dir eine Woche vorher eine Erinnerung in den Kalender:

Rechner

Abo-Kosten im Überblick

Was kosten deine Abos im Jahr, und wann musst du kündigen?

Deine Abos

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Tipp: Trag beim Kündigungstermin den Tag ein, an dem die Kündigung spätestens ankommen muss – der Rechner legt dir eine Erinnerung eine Woche vorher in den Kalender.

So kündigst du ein Probeabo

  1. Bestätigung lesenEndet die Probe von selbst oder geht sie in ein bezahltes Abo über? Welcher Tag ist der letzte, welcher Preis gilt danach? Steht nichts davon in der Bestätigung, frag schriftlich nach.
  2. Vertragspartner bestimmenGebucht beim Dienst selbst, im App-Store oder über einen Partner? Gekündigt wird immer dort, wo du bezahlst.
  3. KündigenAm einfachsten über die Schaltfläche „Verträge hier kündigen“. Der Anbieter muss dir den Eingang sofort mit Datum, Uhrzeit und Vertragsende bestätigen (§ 312k Abs. 4 BGB). Speichere die Bestätigung. Bleibt sie aus, steht unter Keine Kündigungsbestätigung erhalten, wie du nachhakst.
  4. Erste Abrechnung prüfenSieh nach dem Ende der Testphase auf dem Konto oder der Kreditkartenabrechnung nach. Wurde trotz rechtzeitiger Kündigung abgebucht, hol eine Lastschrift innerhalb von acht Wochen zurück (Lastschrift zurückholen).

Widerruf statt Kündigung

Hast du das Probeabo online oder am Telefon abgeschlossen, kannst du es in der Regel 14 Tage lang widerrufen; bei Dienstleistungen und Abos beginnt die Frist mit dem Vertragsschluss (§ 355 Abs. 2 BGB). Der Widerruf macht den Vertrag ganz rückgängig – sinnvoll, wenn schon für die Testphase etwas bezahlt wurde oder du keinerlei Bindung willst. Online geht das über den Widerrufsbutton (so funktioniert er). Bei Streamingdiensten ist offen, ob das Widerrufsrecht mit Beginn der Nutzung vorzeitig erlöschen kann; der Bundesgerichtshof hat die Einordnung ausdrücklich nicht entschieden (BGH, 16.04.2026, III ZR 152/25). Ob in deinem Fall Widerruf oder Kündigung besser passt, klärt der Ratgeber Widerruf oder Kündigung.

Wenn das Probeabo eine Falle war

Warnzeichen sind ein „Gratis“-Angebot, für das du trotzdem Zahlungsdaten hinterlegen sollst, eine Schaltfläche wie „Weiter“ oder „Jetzt starten“ ohne Hinweis auf Kosten und ein Abo, das nebenbei bei einem anderen Kauf mitgebucht wird. Fehlte der klare Zahlungshinweis auf der Bestellseite, ist kein Vertrag zustande gekommen, und du kannst bereits Gezahltes zurückverlangen – so im Fall des Bundesgerichtshofs. Wie du Abofallen erkennst und dich wehrst, auch bei Abbuchungen über die Handyrechnung, steht im Ratgeber Abofallen; Probeabos bei Zeitungen und Zeitschriften behandelt die Seite Zeitschriften-Abo kündigen.

Quellen

Häufige Fragen

Kann ich ein Probeabo mehrmals abschließen?

Meist nicht. Die Bedingungen vieler Dienste beschränken Probeabos auf Neukunden oder auf eines je Konto, so etwa bei Paramount+, Joyn und Zattoo. Paramount+ untersagt ausdrücklich, sich mit anderen Namen oder E-Mail-Adressen erneut anzumelden.

Die erste Abbuchung ist schon passiert. Bekomme ich das Geld zurück?

Einen gesetzlichen Anspruch hast du nur, wenn du rechtzeitig gekündigt oder widerrufen hast oder gar kein Vertrag zustande kam. Manche Anbieter erstatten freiwillig: Amazon etwa erstattet laut Prime-Teilnahmebedingungen die volle Gebühr, wenn im laufenden Zeitraum keine Prime-Vorteile genutzt wurden.

Muss ich meine Kreditkarte aus dem Konto löschen, damit nichts abgebucht wird?

Nein, das ersetzt keine Kündigung. Der Vertrag läuft weiter, und der Anbieter kann den Betrag auf anderem Weg verlangen. Kündige und heb die Bestätigung auf.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen die Verbraucherzentralen, eine Schlichtungsstelle oder ein Anwalt.

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